All entries for November 2005

November 28, 2005

London – Mother Of All Cities…

Halli Hallöchen,

meine Lieben, da bin ich mal wieder, mit (nicht mehr ganz so) frischen news aus dem Land von Lizzy, Feeder und scones.

Am letzten Montag, also schlicht genau vor einer Woche, waren wir in London. Wir, das heißt in diesem Fall ich plus sechs Italiener. Matteo hatte Besuch von seinem besten Freund aus Italien Mattia (also das ist doch mal was: Matteo und Mattia), und unsere guten Freunde Gioia und Erica aus Sardinien hatten ebenfalls Besuch von zwei Freundinnen aus der Heimat, Claudia und Carla. Und ihr könnt Euch sicher gut vorstellen, wie aufgeregt klein Ole war, so ganz der Einzige, der die Stadt der Städte zum allerersten Mal besucht…

Wir machten uns Montag Morgen um acht von Coventry mit National Express (Bus) auf, und waren dann um kurz nach halb elf in London, und zwar mittendrin, on Oxford Street. Auf dem Weg dorthin durchquerten wir ein Viertel, das obviously das Judenviertel ist, und das es mir besonders angetan hat. (Leider war an diesem einen Tag nicht genug Zeit für so vieles, so dass ein ausführlicher Spaziergang beim nächsten Besuch als Erstes ansteht…) Apropos Zeit: purpose of the day was: SHOPPING! Naja, und da sind wir wir natürlich on Oxford Street genau am richtigen Ausgangspunkt aus dem Bus gesprungen. Eine lange breite Strasse mit vielen noblen shops, Ketten, und kleineren souvenir-shops, alles viel zu teuer, aber scön anzuschauen, vor allem mit der bereits überall angebrachten Weihnachtsdeko, passionately loved by the British… Von da gings direkt nach Soho, eben jenes Viertel, in dem in den späten 60ern swinging London seinen Anfang fand. Heute ist das ehemalige Künstler- und Alternativen-Viertel eher ein schickes und teures In-Viertel, und das reinste Shopping-Paradies… So grasten wir dann also einen brand shop nach dem anderen ab, und es war für jeden was dabei… Allerdings musste sich klein Ole mit seinen übergroßen Augen doch arg zusammenreißen, denn zu seinem Leidwesen sind Kreditkarten auch nur aus Plaste, und werden von Soho-Preisen schlichtweg schnell gesprengt… Besonders angetan haben es mir allerdings Merc und Lonsdale, und ja, ich werde zurückkehren, nächsten Sommer hab ich zwei Monate Zeit… Barclaycard beware!!!

Nun stellte sich also die Frage: wo gehts auch billiger? Richtig, meine lieben London-Kundigen: In Camdon Town! Also von Soho ab in den Untergrund, die Metro genommen (und ich sage Euch: bei den verzweigten Tunneln und Gängen, tief unter der Erde, ist das scon ein echtes Erlebnis, und die Preise tragen zusätzlich zum Atemverlust bei…), und drei Stationen später in vollkommen verändertem Ambiente wieder ins Tageslicht entschwunden. Man (in diesem Falle ich) konnte kaum glauben, dass man (...) sich noch in derselben Stadt befindet. Unglaubliches Gewimmel, hoher internationaler Anteil, eher untere Gesellschaftsschichten, Musik und der Geruch von orientalischem Essen in der Luft, Straßenhändler, und hier und da das Geräusch von elektrischen Nadeln, die Farbe in Haut stechen, aus den sich aneinanderreihenden Tattoo- und Piercing-Shops dringend… Das Paradies! London wie man es aus den Erzählungen kennt: turbulent, multikulturell, und hin und wieder ein wenig gefährlich…

Nachdem ich mich gerade noch so beherrschen konnte (oder haben mich die anderen abgehalten???), mir mal eben schnell ein sehr heißes Tattoo stechen zu lassen, betraten wir wieder eine andere Welt: Ein riesiges Areal offener Industrie- und Fabrikationshallen, notdürftig-alternativ überdacht und miteinander verbunden, mit vielen kleinen shops, cafés, eating facilities und und und. Alles in allem mehr ein Basar, und genau das, was man von London erwartet: trendy, alternativ, trendsetting and extremely lively…

Nach einigen Stunden dort gabs nen echten italienischen Espresso (mittlerweile war es dunkel), und dann, alle bepackt mit zahllosen Tüten, gings auf zum sightseeing. Buckingham Palace, Trafalgar Square, River Thames, Houses of Parliament, Big Ben, Tower Bridge, Westminster Abbey, St. Paul's, Picadilly Circus, und zu guter letzt China Town, wo wir dann gegen zehn in einem chinesischen all-you-can-eat einkehrten und uns stärkten. Danach genossen wir noch eine Stunde die Vorteile des 24 hour shoppings, und um zwölf hieß es: Einsteigen und Vorsicht bei der Abfahrt bitte! Im Sitz angekommen, sind wir alle ganz brav eingeschlafen und waren dann halb drei des Nächtens wieder daheim im schönen Coventry.

Meine Lieben, London is more than amazing.
Und deswegen heißt es: Teil zwei folgt bald.

Hugs and kisses,
Euer Ole


November 23, 2005

English clubbing for runaways… Lesson One

My dears,

wie ich ja schon berichtet habe, waren wir vor zwei Wochen im Colloseum. Der vorletzte blog-Eintrag widmete sich den unschönen (oder wie England-Ole in Wortneuschöpfung zu sagen pflegt: ungood…) Rahmenereignissen des Abends, so von wegen Auto und Drogenumschlagplatz und so. Nun wird es an der Zeit, die Quintessenz der letzten party eves zusammenzufassen.

Ich meine, mittlerweile behaupten zu können, dass ich ein richtiger kleiner Engländer bin. :-) Zumindest aber lässt mein party behaviour keinen Zweifel daran aufkommen, dass ich mir redliche Mühe gebe, ein solcher zu werden…

Zwei Dinge sind entscheidend: Die Fähigkeit ganz schnell ganz viel trinken zu wollen und zu können einerseits, gepaart mit der absoluten Abwesenheit von Angst vor dem Absturz andererseits. Denn: Suff is good, more Suff is better, you know! So beginnt man also mit einem frühen Dinner, so um 7 pm, und schiebt das erste Alkohölchen, meistens in Form von beer, dann gleich hinterher. Tja, und dann gehts im 10-Minuten-Takt weiter. Natürlich wird jedes zweite Bier mit nem Kurzen oder nem shot gepaart, oder wenn man English advanced trinkt, gibt's doppelten Vodka und shots im Wechsel. (Diese Kombination hat mir übrigens am besagten Samstag das Genick gebrochen, empfiehlt sich ansonsten jedoch wärmstens…). Zuvor habe ich ja immer die Philosophie vertreten: Stay with what you start with. Nun, dies ist aber im Land der Länder (für alle Ortsunkundigen: the UK) gänzlich out. Viel besser: alles durcheinander, am besten beer in one hand and spirits in the other (maybe some shots in your pocket for emergency…). Nun hatte ich ja reichlich zwei Monate Zeit zu probieren, und kann sagen: Ja, ist gut!

Derartig ausgerüstet macht man sich dann allerspätestens gegen halb elf auf ins Getümmel. Man beachte: Bloß nicht zu viel anziehen. Schal, Mütze, Handschuhe sind gänzlich out und überflüssig, denn der Blutalkoholspiegel hält warm, und regelmäßige practice härtet ab! :-) Der Engländer an sich entdeckt grad wieder die Schlaghose, aber dieser wieder auflebende Trend ist grad am Kommen (Woher? Natürlich aus London!) und daher noch vorsichtig einzusetzen. Am besten: vintage denims, Hemd, Krawatte und vielleicht nen Hut (wenn man(n) wagemutig ist). Extreme Hosen und ausgefallene shirts sind out, je älter und abgewrackter es ausschaut, desto besser (oder, nach England-Ole Manier: the more good!). Ihr seht also, so ein Studienjahr im Vereinigten Königreich bringt nicht nur verbessertes Fachwissen mit sich! Nein, nein, auch mein style-Empfinden is grad under improvement. So habe ich mir einige neue Accessoires zugelegt, um mein englisches Ich besser zur Geltung zu bringen. Man trägt jetzt Mantel, Latzhose mit Hemd und Krawatte, und das vom english man heißgeliebte Hemd, mit abgefahrenen Mustern, Aufdrucken und Stoffen.

Man ist also perfekt gekleidet, bleibt nur noch die Haarpracht. Da selbige ja bei mir zu meinem großen Bedauern nicht mehr prächtig sondern eher löchrig ausfällt (my god, was könnte ich alles ausprobieren, wenn da noch etwas mehr wär…), muss man sich so seine Gedanken machen. Nun, man nimmt schlichtweg den Rasierer und rasiert munter drauflos. Meine neueste Entdeckung: Muster entstehen auch durch Zufall! Je abgefahrener dest besser, und demnächst wird die Blondierung nochmal herhalten müssen, denn schließlich wollen die Augenbrauen auch bearbeitet werden.

So, nun ist man endlich ausgehfertig. Und los gehts: Mit diesem neuen englischen Ich lassen sich wahre Wunder vollbringen. Plötzlich nimmt englisches Weibchen den Pseydo-Engländer für einen wahren solchen, und das Flirt-Karussell dreht sich munter (denn es weiß ja Gott sei Dank nicht, dass es sich die Zähne ausbeißt…). Nein, nein, kein Sarkasmus: denn dies ist die erste Bedingung um Spaß mit den Einheimischen zu haben: wahrgenommen werden. Wenn Weibchen flirtet, und Männchen Verbrüderung und party community startet, ist man plötzlich mitten drin, in the English party scene. Und ich muss schon sagen, das englische Feiern kann sich sehen lassen. (Auch wenn die Münsteraner zu ihrem Leidwesen das Gegenteil erleben müssen…) It's fun, because the people are having a party together, and not just simply in the same room, you know.

So come on, don't be shy,
have a party, don't ask why!

XXX,
Yours forever


Französische Zustände…

My dear friends and homestayers (hier mal wieder eine Wortneuschöpfung, sprich die english translation of Daheimgebliebene…),

schon lange wollte ich Euch mal wieder ein paar witzige Zeilen zum Lesen geben, doch der essay-Wahn hat mich fest in seiner Gewalt. Nun ist aber der Moment gekommen, in dem sich so viel Berichtenswertes angestaut hat, dass klein Ole's (winziges Männer-)Hirn zu platzen droht, und deshalb nach Erleichterung schreit. (Nun ja, das ist natürlich auch eine willkommene Gelegenheit, die essays mal essays sein zu lassen…).

In den letzten Wochen haben sich doch so einige interessante Entwicklungen bezüglich unserer weiblichen Mitbewohner ergeben. Und da Ihr ja alle aufmerksam lest, wisst Ihr, dass es sich um die beiden Französinnen handelt, mit denen Italien-Matteo und Deutsch-Ole zusammenleben. Da dies hier eine weltweit zugängliche page ist, werde ich mich beim Schreiben wohl oder übel etwas zurückhalten müssen, denn wer weiß, wer weiß, wer sich da so mit verbesserten Irgendeine-Andere-Sprache-Kenntnissen drauf rumtreibt. Und wir wollen ja keinen dritten Weltkrieg auslösen (oder zumindest (k)einen Hauskrieg), nicht wahr?

Jedenfalls sind unsere beiden Grazien (bei allem Folgenden bleibt zu beachten, dass wir uns im Grunde ganz gut verstehen…) vor einigen Wochen auf die grandiose Idee verfallen, einen Putzplan zu erstellen. Nein, hier wittert Ihr zu Unrecht Sarkasmus, denn mal abgesehen von der Küche (die regelmäßig meinem eigenen Putzwahn zum Opfer fällt), hatten Matteo und ich bis dato nicht sehr viel getan, sprich Bad, Korridor und leaving room. Deshalb stimmten wir in der eigens einberufenen Bewohner-Versammlung der Idee freudig zu, und so legten wir fest, dass immer mittwochs einer Bad und einer Küche machen, somit jeder zweimal im Monat putzen muss. Das Bad umfasst den Korridor, die Küche beinhaltet das Wohnzimmer.
Soweit zur Theorie! Nun zur Praxis: Also der Mensch an sich hat ja schon so ganz unterschiedliche Vorstellungen von Reinlichkeit und cleaning. So beinhaltet das kitchen cleaning der weiblichen Bewohner dieses Hauses lediglich Wischen (wohlgemerkt ohne vorher zu fegen…), wohingegen meinereiner das doch schon etwas genauer nimmt. Reinigung des Herdes ist für die anderen drei Viertel dieses Hauses sowieso ein Fremdwort, so dass Ihr Euch vorstellen könnt, dass klein Ole (besonders morgens) öfter mal Ekelattacken gepaart mit mehr oder weniger starken Agressions-Schüben bekommt. Alles in allem klappt das aber seit vier Wochen ganz gut, und unterm Strich ist das Haus jetzt schon sauberer als vorher (wenn auch nicht, depending on the person cleaning, überall gleich…).

Nun haben sich aber bei der uns aufgezwungenen Versammlung noch ein paar andere Gedanken Freigang verschafft, die unbedingt näher ausgeführt werden müssen. Zum ersten ging es um den Stromverbrauch des Hauses. Uns (sprich den unkultivierten Männern) wurde von den beiden Grazien (Anmerkung des Autors: 21 Jahre alt und zum ersten Mal nicht bei Mutti lebend…) folgendes unterbreitet: Zum einen sollten wir doch bitte nicht so viel waschen, und wenn schon, dann immer den 20-Minuten-quick-wash benutzen. Zum anderen sollte doch bittschön überall im Haus bei Verlassen eines Raumes das Licht gelöscht werden, um Strom zu sparen. Und zu guter letzt: Heizen ist ja eigentlich überflüssig! Nun denn, Matteo und ich bemühten uns redlich, zu erläutern, dass wir erstens so viel waschen wie nötig, zweitens quick wash dreckige Hosen und American football Klamotten nicht sauber bekommt, und es drittens mehr Strom kostet, eine Lampe in einer Stunde dreimal an und auszuschalten, als sie einfach brennen zu lassen. Der Erfolg unserer Anstrengungen ist massiv zu bezweifeln. Begründet wurde all dies von den Grazien mit der, Zitat, "grünen Lebensweise". (Ich sag Euch, ich musste mich schon echt bemühen, vor Lachen nicht vom Stuhl zu fallen…) Obviously ist grüne Lebensweise hier ein Synonym für massiven Geiz. Nun gut, das Ganze setzt sich jetzt in der Form fort, dass jedesmal, wenn Matteo und ich unsere Zimmer verlassen (für Klo, Kaffee or whatever) eine der beiden Grazien lautlos hineinhuscht, und das Lichtlein ausknipst. Kürzlich habe ich mir das verbeten, und ihnen damit gleich mal den unbefugten Zutritt zu meinem Zimmer.
Das alles ist noch recht harmlos gegen das Heizungsproblem. Die beiden sind der beständigen Meinung, dass frieren super ist, um Geld zu sparen. Nun, Ihr kennt mich! Ich hab's gern wohlig warm, und lass mich nicht zum Frieren zwingen, werde außerdem in frierendem Zustand recht unleidlich, wenn Schuldige auszumachen sind. Zu meinem Leidwesen befindet sich ja der Boiler in Jeanne's room, und die beiden haben doch dann hin und wieder täglich einfach mal den Notfall-Schalter umgelegt, der wie der Name schon sagt für Notfälle (Gasaustritt) gedacht ist, und das gesamte Heiz- und Warmwassersystem ausschaltet. Das alles, da es ja so furchtbar warm ist, so unsäglich warm, dass die Grazien mit Socken, Schal, Pullover und Mütze schlafen, um nicht vor Hitze zu ersticken. Und als eine der beiden mir dann vorschlug, ich sollte es ihnen gleichtun, brannte bei mir ein Lichtlein durch (selbstverständlich nur zum Stromsparen…). Letztlich ging mir dann aber wieder eins auf, und zwar über den Grund der bisher acht oder neun occasions, an denen ich wegen Diskunktion (oh, hier mal eine Übertragung vom Englischen ins Deutsche! Wie Ihr sehr, bin ich flexibel…) den service rufen musste. Kein Wunder, wenn kleine Französinnen die ganze Zeit an Knöpfen rumspielen, dann streikt das System früher oder später… :-) Vor zwei Wochen habe ich dem Treiben ein Ende gesetzt, und habe männlich mit der Faust auf den Tisch gehauen. Seitdem: keine Probleme mehr.

Bei besagter Sitzung dachte ich allerdings: Nun denn, ich hab auch noch was zu sagen. Sehr bestimmt habe ich darum gebeten, dass ich nicht mehr jeden Morgen das ganze Wohnzimmer aufräumen muss, denn die Grazien sind sehr ordentlich. Sie halten ihre Zimmer geordnet, indem sie einfach ihr gesamtes Hab und Gut (inklusive Uni-Kram, Make Up, Klamotten, Schuhe und und und) im Wohnzimmer liegen lassen, so dass von den insgesamt acht Sitzgelegenheiten regelmäßig morgens nichts mehr auszumachen, geschweige denn zu benutzen war, mal ganz abgesehen davon, dass das Abräumen von benutzem Geschirr vom Tisch Seltenheitswert besitzt. Mit großen Augen vernahmen sie meine Beschwerde, und fügten sich widerwillig. Ergebnis: Jetzt muss ich morgens nur noch halb so viel wegräumen…

Nun zum Kern der Sache. Ich nutzte die Gelegenheit, und verschaffte meinem Ärger darüber Luft, dass in diesem Haus nur Französisch gesprochen wird. Die Bordeaux-Connection (die Grazien, die zu unser aller Leidwesen mit zwei anderen aus ihrer Heimat-Clique im Rudel hier angereist sind…) ist ständig hier versammelt, nicht selten schon morgens, wenn ich im Pyjama in die Küche zu gelangen versuche, und es interessiert keinen, wenn daneben stundelang Leute (meistens ich) sitzen, die kein Wort verstehen. Matteo hat wenigstens noch seine Italiener, mit denen er gegen das Französisch an-italienischen kann. Einzige Reaktion der Grazien: Ohhh, iiiiit iiiis sssso aaaaarttt forrrrrr assss tuuuu spiiikkkk Ingglisch!! Bon, also mussten andere Geschütze aufgefahren werden. Aber dazu mehr das nächste Mal.

A bientot,
Euer Frankophobi


November 17, 2005

How to get really scared!

My dears,

nachdem ich mir nun einige Tage Zeit genommen habe, das Erlebte zu verarbeiten, muss ich Euch unbedingt von meinem Wochenend-Alptraum berichten. Also, alle bequem hinsetzen und gut festhalten!

Das Ganze fing damit an, dass wir Freitag Abend beschlossen haben, mal wieder ins Colosseum zu gehen, um unsere english party habit weiter zu entwickeln und natürlich viel Spaß zu haben. Aber dazu gibts später noch einen extra Eintrag…
Da der Laden schon ein Stückchen entfernt ist, und der Ole an sich ja von Natur aus faul, beschlossen wir (naja eigentlich ich), das Auto in Anspruch zu nehmen. Diese doch recht alltägliche Entscheidung sollte sich später als kapitaler Fehler herausstellen. Ich parkte das Gefährt auf einem kleinen Parkplatz direkt hinter dem club, keine einziges anderes Automobil weit und breit… Als wir Stunden und einige Promille später wieder kamen… na, na? Falsch, Autochen war nicht verschwunden, auch nicht zugeparkt oder so. Klein Ole hatte es an diesem Abend sehr gut mit dem Wodka gemeint, war folglich nicht mehr verkehrstauglich, und überließ dem Adriano das Steuer (hört, hört!!). Das Ganze aber nur in der Theorie, denn Autochen wollte nicht so wie ich, und sprang nicht an. Gut, späte Stunde, alle betrunken und müde, haben also ein cab genommen und ich dachte: naja, kein Problem, wirds eben morgen abgeholt.
Am nächsten Morgen (drei Uhr nachmittags), nach einer fürchterlichen Nacht, wurde mir klar, was ich getan hatte, und ich beschloss mich schleunigst auf die Socken zu machen. Nach Bangen und Hoffen fand ich das Gefährt noch vor, nur leider sprang es immer noch nicht an. Zu meinem Entsetzen hatte sich allerdings der Parkplatz verändert: alle paar Sekunden kamen und fuhren Autos, überall waren Menschen aus orientalischen Ländern, die mit irgendwelchen Dingen seltsamen Handel trieben. Und bei Tageslicht betrachtet sah die ganze Gegend ums Colosseum nicht gerade vertrauenserweckend aus. Ich dachte: Shit! Aber hilft ja nüscht! Nach langen Überlegen, hab ich mich überwunden und einen der Handeltreibenden um Hilfe gebeten. Der sehr hilfsbereite gab Starthilfe, die Autochen allerdings nicht zum Fahren bewegte. Anspringen war nich! Jedoch kamen nun viele andere hilfsbereite Handeltreibende, standen ums Auto herum, kreisten es eher ein, und jeder überbot sich in Freundlichkeit. Einzig mögliche (und gesunde) Reaktion: increasingly Misstrauen! Es wurde langsam dunkel. Und ich dachte wieder: Shit!!!!!! Hilft aber immer noch nüscht. Ich also ADAC gerufen, sollte ne Stunde dauern, bis Service man kommt. Aufgrund immer weiter zunehmender hilfsbereiter Händler – es war völlig klar, dass Autochen dort nichtmehr allein gelassen werden kann – rief ich zwei Freunde an, bettelte sie eher an, umgehend zu kommen um mir beizustehen. Was sie auch taten. So warteten wir gemeinsam auf Service man, der nach anderthalb Stunden voll Angst und Zittern kam, und Auto mit fachkundigen Händen zum Anspringen überredete. Erster Satz nach seiner Ankunft: Ist ja mal echt nen beschissener Platz in Coventry für Autoprobleme: Drogenumschlagplatz und so…

Na Prost Mahlzeit! Nach vier Stunden wieder daheim, musste ich mich erstmal hinsetzen, Kaffee und Wodka trinken, und warten bis ich aufgehört hatte zu zittern, und dann gings los in den Abend…

Was lernt uns das? Wenn man mit Auto fährt, kann man was erleben!
Hugs and kisses,
Euer Ole


November 13, 2005

Tesco. Tesco, Tesco! Oh why are you that Tesco?

My dear,

hier ein paar hard facts über das englische Einkaufsverhalten. Letzten Mittwoch haben Matteo und ich beschlossen, einen größeren Einkauf im Tesco zu wagen (wir hatten meanwhile nix mehr zum kochen, keine Fertig-Pizza, und vor allem kein beer im Haus – es war also allerhöchste Zeit!), um und für die nächsten Wochen einzudecken. Unsere immernoch Französisch-sprechenden housemates nutzen die Gunst der Stunde (die Gunst des Autos vermutlich eher…), uns zu joinen. Also düsten wir los, und starteten die competition, wer in der kürzesten Zeit am meisten money loswerden kann. Okay, das mit der Zeit haben wir dann ganz schnell aus den Spielregeln gestrichen! Denn mal ehrlich: das Tesco an sich ist huuuuge, und damit nicht schnell zu durchqueren. Dafür haben wir den Wettbewerbsbestandteil concerning the money sehr ernst genommen! Und was soll ich sagen: Matteo und ich haben mit schlappen 200 Pfund (!!!) gewonnen. Was hat man da so alles eingepackt? (By the way in zwei Einkaufswagen (natürlich die großen), da der eine nach ungefähr zwei Dritteln leider voll war.) Naja von nötigen Dingen wie Fleisch, Käse, Milch, Bier und Vodka über Kochkram (wie zum Beispiel zwei Paletten Dosentomaten…) bis hin Existentiellem wie Schokolade und cookies. Dazwischen liegt die große Grauzone des Unnötigen, Teuren, im Kaufrausch Erstandenen, das uns jetzt hier nicht zu interessieren braucht. :-) Das Kaufverhalten des Engländers an sich lässt wie folgt charakterisieren: Ungesundes siegt, Geiz ist geil und je größer der Einkaufswagen desto besser!
Was lernt uns das?
1.) Gehe niemals hungrig einkaufen (das ist ja wohlbekannt)!
2.) Gehe aber um Himmels Willen niemals hungrig zu Tesco!
2a) Gehe am besten niemals zu Tesco!
3.) Falls unumgänglich, verbinde Dir die Augen und lasse Dich vom freundlichen Personal zum benötigten Regal führen. Nimm was Du dringend benötigst und verlasse die Örtlichkeit danach sofort!
4.) Falls ein Tesco in Deiner Straße liegt, ziehe um!
5.) Trinke keinen Alkohol, denn er ist in England unbezahlbar.

In diesem Sinne, Prost!
Euer Ole


November 06, 2005

Remember, remember, the fifth of November!

My dears,

gestern kamen wir hier in den Genuss der bonfire night. Sie findet jedes Jahr am 05. November statt, und feiert das Scheitern des berühmten Gunpowder Plots.
Nun werdet Ihr sicherlich alle denken: Äähhh? Deswegen hier eine kleine Geschichtsstunde: vor 400 Jahren versuchte eine Gruppe englischer Katholiken um ihren Anführer Guy Fawkes, den englischen König James I. (ja ja, es handelt sich hier um eben jenen Sohn der Maria Stuart, der als König von Schottland 1603 Elizabeth I. auf den englischen Thron gefolgt ist) und das englische Parlament in die Luft zu sprengen. Der Plan wurde einen Tag vor seiner beabsichtigten Ausführung am 05. 11. 1605 verraten und damit vereitelt. Die Verschwörer um Fawkes wurden hingerichtet und das Parlament erklärte auf Verlangen von King James den 05. November zum Tag des Gedenkens. Seitdem wird dieser Tag in England mit Feuerwerk und dem Verbrennen von Strohpuppen ("guys") begangen. Und der kleine Reim "Remember, remember, the fifth of November…" dient dazu, den Kindern in der Schule das Datum einzuprägen.
Gestern war es also soweit: Der denkwürdige Tag jährte sich zum 400. Mal. Wir sind aus diesem Anlass mit der Erasmus society nach Kenilworth Castle gefahren, das ja nur fünf Kilometer entfernt ist, und wo das größte fireworks in den Midlands zu bestaunen sein sollte.
Doch zunächst kleine Fortsetzung der Geschichtsstunde: Der Keep, der Hauptturm der Anlage geht zurück auf William the Conqueror, gebaut wenige Jahre nach Eroberung der Insel. In den Rosenkriegen ausgebaut und weiter besfestigt, ging die Burg Mitte des 16. Jahrhunderts in den Besitz Lord Robert Dudleys über, des bevorzugten Günstlings Elizabeth's I. Von ihm wurden weitere Wohngebäude errichtet, um die Queen eine Woche lang fürstlich zu beherbergen. Dieser Besuch zählt zu den vielen legendären Ereignissen in Elizabeth's Herrschaft. Früher umgeben von einem See, einen Kilometer lang und einen halben breit, ist Kenilworth Castle nach seiner Zerstörung im Civil War heute die größte Burgruine Englands.
Vor dieser Kulisse fand gestern Abend ein phänomenales Feuerwerk statt, mit ungefähr 5000 Zuschauern, auf den Wiesen und Hängen, die früher von Wasser bedeckt waren. Zwar war das Ganze, da begleitet von ordentlichem englischen Regen, eine recht schlammige Angelegenheit, aber zumindest stoppte Petrus den Wasserfall kurz vor Beginn der fireworks. Passende Musik begleitete das Ganze eine volle halbe Stunde, und unter den Zuschauern herrschte Volksfeststimmung, das durch viele Buden und Stände noch verstärkt wurde. Ein super Erlebnis, so eine bonfire night.
Übrigens, ist an diesem 05. November Feuerwerk überall erlaubt und eine Woche vorher zu kaufen, so dass der ganze Tag ein bißchen an Silvester erinnerte, zumindest für kontinentaleuropäische Augen und Ohren… Fotos folgen!

Hugs and kisses,
Euer Ole


November 2005

Mo Tu We Th Fr Sa Su
Oct |  Today  | Dec
   1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30            

Search this blog

Tags

Most recent comments

  • I's been nice party to have 3 girls at home :D by jogurtas on this entry
  • Thanks für den kleinen Geschichtsunterricht… Dann bin ich mal gespannt was hier heute Abend in Glasg… by Apollo on this entry
  • Juhu! Ole lebt noch! Schön, daß wieder ein neuer Eintrag auf dem blog zu finden ist. Ganz, ganz lieb… by Silke on this entry
  • Auch von meiner Seite herzliche Glückwünsche. Du hast das gut hinbekommen mit dem Europagipfel und d… by Olli on this entry
  • Lieber Ole, es freut mich, daß die Bilanz des ersten Durchgangs so positiv ausgefallen ist. Auch wen… by Silke on this entry

Blog archive

Loading…
Not signed in
Sign in

Powered by BlogBuilder
© MMXIX