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February 12, 2006

Römische Verhältnisse oder: Die Römer in England…

My dears,

nach wie vor gibt es so viel, über dass Ihr unterrichtet werden müsst. Deswegen mach ich fließig weiter und bring Euch auf den neusten Stand der englischen Dinge.

Am 17. des vergangenen Monats haben wir hier den Geburtstags meines housemtaes gefeiert, Matteo wurde 22. Und da muss natürlich ordentlich was aufgezogen werden. Mal abgesehen davon, dass wir schon alle (also ich und die Italiener…) recht lange vorher angefangen haben, zu überlegen, was wir denn als Geschenk überreichen könnten, wurde kein Aufwand gescheut. Da hier Gott sei Dank jemand seinen housemate gut kennt, hab ich gewusst, womit man Freude bereiten kann, und er bekam, neben etlichen persönlichen Kleinigkeiten von jedem einzeln, von uns vier zusammen ein Piercing, dass er sich schon lange gewünscht hatte. Aus der tollen Idee einer Überraschungsparty wurde leider nichts da Signore Starri selbst die Idee einer Party hatte. So haben wir die Organisation gemeinsam in die Hand genommen. Die Wahl fiel auf den Geburtstags-Dienstag, da wir ja alle am Mittwoch frei haben. (Überhaupt haben seltsam viele Erasmuslinge Mittwochs keine Uni…) Und als ich am Donnerstag davor sturztrunken des Morgens (also quasi schon Freitag…) nach Hause kam, informierte mich ein freundlicher Zettel darüber, dass der Gastgeber dem ganzen noch etwas Würze verleiht, indem er eine Motto-Party draus macht. So hieß es am Dienstag dann: Toga, Toga, Toga…

Nun, wir vier housemates hatten ja den Vorteil, nicht in Kostümierung raus in die Kälte zu müssen, und konnten uns somit richtig ins Zeug legen. Während Jeanne Kleopatra gab (was ja eigentlich mein Part gewesen wäre…) und damit deren unbestreitbare Zugehörigkeit zur römischen Geschichte unter Beweis stellte, machte Alix eine hervorragende Calpurnia her… Tja, und die Männer? Als hosts musste es für uns natürlich etwas ganz Besonderes sein. Wegen der ausladenden Vorbild-Wirkung entschied ich mich für Caligula, das Soldatenstiefelchen, und Matteo gab niemand geringeren als Augustus himself. Und ich muss schon sagen: Wir konnten uns echt sehen lassen, das hätte ein richtiges Kostüm auch nicht besser hinbekommen. Also, Woolworth-Laken sei Dank!

Gegen neun am Abend fingen die Leute an einzutrudeln, das Haus war bald zum Brechen voll, der Alkohol floss reichlich. Zwar hatten wir so einiges eingekauft, aber auch die Gäste haben sich nicht lumpen lassen, und haben noch so das ein oder andere beigesteuert. Bald ging's feucht-fröhlich zu, das hätten auch die Römer nicht besser hinbekommen. Und ich sag Euch: wirklich alle waren im Kostüm erschienen, und offensichtlich waren der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Natürlich wurde das obligatorische Liedchen gesungen, der Kerzen-Kuchen serviert und die Geschenke offiziell-rituell überreicht. Die letzten Römer haben das Schlachtfeld gegen halb acht am Mittwoch Morgen verlassen… Und wir? Tja wir! Wir haben für eine weitere Legende gesorgt, und einen neuen Maßstab für parties gesetzt, auf jeden Fall war das Ganze das Gesprächsthema unter den Erasmuslingen… Jedoch haben die Römer alles in allem eher wie Barbaren gewütet, so sah zumindest am nächsten Morgen das Haus aus. An dieser Stelle möchten wir nicht weiter ins Detail gehen, alles andere wäre unappetitlich. Nur soviel: auf circa 50 Leute kommen schlappe 500 Bier, 4 Flaschen Wodka, 6 Flaschen Wein und noch andere Spirituöschen…

Übrigens: das piercing wurde am darauf folgenden Montag in Matteo's Zunge versenkt, und macht dort noch einigen Tagen des Leidens (Suppe für den Fleischesser…) jetzt echt was her.

Hugs and kisses,
Euer Ole


February 11, 2006

Frohes neues Chaos…

Meine Lieben,

hier nun endlich wieder Nachrichten aus dem vereinigten Königreich! Es tut mir wirklich furchtbar Leid, dass ich Euch so lange hab auf dem trockenen sitzen lassen, und deshalb hier erstmal eine kurze Erklärung der hindernden Umstände.
Einige Tage nach dem Weihnachtsfeste, das ich ja hier mit Truthahn and christmas pudding (nebst meiner Ma) verbracht habe, hat sich mein wertes notebook in die (vermeintlichen) ewigen Jagdgründe verabschiedet. Damit war ich erstmal von jeder Kontaktmöglichkeit abgeschnitten. Mails lesen war zwar in der Uni drin, aber zum Schreiben blieb mir dann on campus meistens keine Ruhe (denn Ihr wisst ja: Nachts, allein, daheim, schreibt sichs am besten…). Ende Januar brachte aber ein glücklicher Zufall die Lösung des (Was-für-komische-Sachen-macht-denn-der-PC)-Rätsels, und er funktioniert seitdem wieder, zwar mit kleinen Einschränkungen, aber immerhin… Nun werdet Ihr sagen: Gut, das ist aber schon drei Wochen her, und immer noch nichts! Richtig, denn unfortunately ging mit der Genesung des notebooks meine Erkrankung einher, zwar nicht an software-Problemen, sondern vielmehr hardware-Verschleiß. Aber dazu später… Nun, nach halbwegs erfolgter Genesung (denn die Rehabilitation besagter hardware wird einige Wochen in Anspruch nehmen…) kann ich mich wieder meinen Kontakten zur Außenwelt, sprich zu Euch, widmen. But again: I apologise most profusely!

Deswegen zunächst einmal: Ein frohes neues Jahr 2006 für Euch alle, wo auch immer Ihr jetzt seid, was auch immer Ihr grad und im Verlauf dieses Jahres machen werdet. Alles Gute, viel Glück und Freude wünsche ich Euch von ganzem Herzen! (Bitte verzeiht die Verspätung!) Hoffentlich seid Ihr mit weniger bis keinem Chaos in 2006 gestartet als ich. Ein Vögelchen hat mit am Silvester-Abend gezwitschert, dass das diesige das Jahr der Jahre für uns werden wird… Nun ja, leider hat sich das mir noch nicht so blicken lassen, bis jetzt eher das Unjahr der Jahre… Aber, was nicht ist, kann ja noch werden!

Nun wo fange ich an, wenn ich mal eben fast zwei Monate im Zeitraffer durchgehen will? Vielleicht ja am Anfang… Weihnachten hier war sehr schön! Die housemates waren alle heimgeflogen, das Haus war ruhig, und meine Ma war da. Ehrlich, diese 7 Tage waren dis dato seit Ankunft in the UK die ersten und einzigen mit richtig Ruhe, Zeit zum Durchatmen und Seele baumeln lassen, und einfach faulenzen. Ich hab es sehr genossen. Ganz nebenbei hatte ich für ein wenig Weihnachten gesorgt, mit typisch englischer Deko, und, und, und? Na klar, nem richtigen englischen (Plaste-)Weihnachtsbaum. Wenn schon, denn schon, oder? Ganze 2,20 Meter und von von einzigartiger Symmetrie schmückte das gute Stück, behangen mit vielen schönen Dingen, bis Mitte Januar unsern leaving room (der dadurch selbstverfreilich erst richtig zum living room wurde…), und sorgte allseits für Verzückung und Bewunderung. Das Fest an sich, das in England ja nur aus einem Tag besteht, dem 25. Dezember, auch genannt christmas day (die Armen, nur ein Tag…), haben wir ganz zünftig englisch verbracht, es gab einen ganzen, gefüllten Truthahn mit Yorkshire pudding und Rosenkohl, zum Nachtisch christmas pudding, und die ganze Zeit mince pies. Gepaart haben wir dies mit einigen deutschen Traditionen, wie zum Beispiel Kartoffelsalat und Würstchen am Heiligabend (jaja, einige von Euch werden jetzt heftig protestieren, aber zumindest Berliner Tradition ist das wohl doch…). In einem Punkte haben wir uns für die Zwischenvariante entschieden: So gab es die Bescherung nicht vor dem Abendessen am Heiligen Abend, und auch nicht am Morgen des christmas day, sondern einfach dazwischen in der Nacht. Die perfekte Kombination aus englischer und deutscher Weihnacht also, unterlegt mit russischer Weihnachtsmusik…

Der Abflug von Ma wurde unmittelbar gefolgt vom Anflug lieber Freunde. Ja, hier seid Ihr gemeint, Silke und Britta! :-) Trotz kleiner Unpässlichkeiten (denn wie ich jetzt leidlich auch weiß, ist die Gesundheit nicht zu bestechen…) hatten wir ein paar Tage tolle Tage mit sightseeing in Coventry (obwohl's da ja nichts zu sehen, eher wegzulaufen gibt) und Birmingham, Besichtigung von Kenilworth und Warwick. Und natürlich quatschen, quatschen, quatschen… Ob Ihr's glaubt oder nicht, wir haben die Silvesternacht mit vielen flüssigen Freunden, aber ansonsten ganz allein, hier im Haus verbracht, gefeiert, gelacht, gequatscht, gespielt, und uns vor allem gefreut, dass wir beisammen sind.

Aber auch diese Tage gingen (leider viel zu schnell) vorüber, und eh man sichs versah, war das neue Jahr angebrochen, Freunde und Familie wieder weg, und die Uni hatte wieder begonnen. Aber die Verdrießlichkeit war von kurzer Dauer, da am zweiten Uni-Tage schon die Birgit angeflogen kam. Und wieder hieß es: quatschen, bis der Mund fusselig war, und einfach nur das Beisammensein genießen, so sehr, dass wir in vier Tagen nicht ein einziges Besichtigungsziel angesteuert haben, von der obligatorischen campus-tour mal abgesehen. Und da ja auch die anderen mittlerweile wieder eingetrudelt waren, konnte die Heimat auch mal Kontakt mit den Erasmuslingen aufnehmen, wie wir von unserem society-Guru Marky Mark immer liebevoll genannt werden…

Aber aller Abschied ist ja leider unausweichlich (gibt's das Sprichwort???), und so war klein Ole am 9. Jänner wieder allein in der großen weiten Welt und konnte sich von Neuem den erasmuslingischen Aktivitäten widmen… Aber das ist eine andere Geschichte.

Love, Euer Ole


February 2006

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