October 30, 2005

Kulturelle Hochgenüsse…

In den letzten Wochen kamen wir mal wieder in den Genuss einiger kultureller highlights, über die schon lange berichten wollte!

Montag vor zwei Wochen waren wir in einer Lesung von Salman Rushdie. Einigen von Euch ist er vielleicht als der Autor von „The Satanic Verses“ bekannt (es geht um den Koran und die Stellung der Frau im Islam), das wohl eines der umstrittensten zeitgenössischen Bücher überhaupt ist, und dazu geführt hat, dass der Autor seitdem in allem islamisch-theokratischen Systemen mit der Todesstrafe rechnen muss. Deswegen glich die ganze Veranstaltung, die für ganze 3 Pfund im Warwick Arts stattfand, auch eher einem Hochsicherheits-Staatsbesuch. Metalldetektoren, Durchsuchungen, und vor allem viele Polizei-Schränke mit unklar großen Waffen… Rushdie hat aus seinem neuen Buch „Shalimar the Clown“ gelesen (das ich mir in meinem Promiwahn :-) dann auch gleich mal hab signieren lassen). In dem Buch geht es um eine Liebesbeziehung in einem Dorf in Kashmir (wo viele seiner Bücher spielen, seine Wurzeln liegen dort), zunächst ist es eine Liebesgeschichte, die dann aber in Hass, Mord und Rache umschlägt und überall auf der Welt spielt. Ich hab Freitag angefangen zu lesen, und es ist klasse… Nach der Lesung gabs ein moderiertes Interview und dann offene Diskussion mit dem Publikum.
Freitag vor einer Woche ging der Kulturmarathon dann mit Theater weiter. Und ich kanns nicht anders sagen: Amazing, amazing, amazing!!! Es gab, natürlich im Arts, wo sonst, Oscar Wilde’s „The Importance of Being Earnest“. Eigentlich nichts besonderes, denn ich hab gelesen, dass es gemessen an den Inszenierungen, das meistgespielteste Stück Großbritanniens ist. Mir war allerdings beim Kauf der tickets völlig entgangen, dass es sich hier nicht um eine normale Inszenierung handelt. Und eigentlich kann ich ja mit experimentellem Theater so gar nichts anfangen. Gespielt wurde es von einer Gruppe namens „Ridiculusmus“ (sprich: Lächerlichkeit…). Und der Name ist mehr als Programm!! Seit 15 Jahren haben die schon so einige Stücke neu interpretiert, und sich dann gedacht, sie wagen sich mal an den ohnehin schon sarkistisch-witzigen Wilde ran. Das Konzept: es gibt nur zwei Schauspieler, zwei Männer wohlgemerkt, die alle Rollen spielen, auch die weiblichen natürlich! Funktionieren tut das so: Wenn mehr als zwei Personen in einer Szene sind (also fast immer), bleibt der eine unbewegt stehen, während der andere auf der Bühne (!) das Kostüm wechselt. Tja was macht man nun, wenn man sechs, sieben oder mehr in einer Szene hat? Man bedient sich Hilfsmitteln, wie Büsten, Handpuppen, spanischen Wänden, oder steht ganz einfach am Ende nur noch in Unterwäsche auf der Bühne, und hält nur das Kostüm in die Höhe, um zu signalisieren, wer gerade spricht. Natürlich alles immer mit der entsprechenden Stimme, und ohne einen einzigen Patzer. Die Schauspieler müssen praktisch das ganze Stück auswendig können, und dürfen sich vor keiner Banalität scheuen… Es war einfach fantastisch (wir hatten, wie bei der Lesung auch, Plätze in der ersten Reihe…) und wir haben uns weggeschmissen vor Lachen. Und meinen tiefsten Respekt vor dem logistischen Aufwand und der Kreativität, die dahintersteckt, wenn man Bühnenbild, Kostüme und alles andere so gestalten muss, dass es zwei Leute alleine schaffen…
Nächsten Dienstag geht’s nach Kenilworth, ein kleines Örtchen um die Ecke. Dort werden wir Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ sehen, natürlich auf Englisch (hier heißt es einfach „The Visit“) und ich bin schon sehr gespannt. Die Woche drauf ist mal wieder Konzert…
Kulturelle Fortsetzung folgt!

Cheers,
Euer Ole


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