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October 30, 2005

English Clubbing for beginners – Lesson Three

My dears,

Gestern war es mal wieder so weit: Es ging raus ins party life of Coventry. Der Abend stand unter dem Zeichen des Vermeidens von jeglichem Halloween-Quatsch. Denn ihr wisst ja, der Engländer an sich hat ein großes Faible fürs Verkleiden (wenn man so die aktuellen Modetrends im Lande betrachtet, könnte man meinen, die verkleiden sich immer…), und zu parties sagt man hierzulande sowieso nie nein! So war dann gestern die Nacht der Halloween-Nächte on campus, und abgeschreckt vom Kostüm-, Schmink- und Grusel-Wahn der anderen haben ich und drei andere Jungs beschlossen, dass wir uns das nicht antun, und stattdessen ins City Centre feiern gehen. Zunächst haben wir aber natürlich ein wenig vorgeglüht, ab acht wohlgemerkt, denn ja: das mit den englischen Zeiten sitzt jetzt!! :-) Mit ein paar Bier und gutem Vodka haben wir es uns aufm Sofa gemütlich gemacht, und schadenfroh den anderen beim dressing up zugeschaut. Das Motto des Abends war: Matteo desperately seeking for make up! (Mal ehrlich: Ihr kennt mich, und selbst ich habe noch nie nen Mann so verzeifelt nach make up schreien hören…)
Wir machten uns dann auf ins Centre, und trafen auch dort auf seltsam be- oder entkleidete Menschenmassen in Delirium-ähnlichen Zuständen, desperately seeking for fun (auf die eine oder andere Weise…). Wir beschlossen, mal nen club anzutesten, den wir noch nicht kennen, und machten uns auf zum Colloseum! Man Scheiße, ist das weit. :-) Aber dank wohligem Alkoholpegel und visueller Belustigung am Wegesrand gings dann doch. Wir waren gegen elf da, also zur besten party-Stunde. Der Laden ist recht groß, hat einen kleinen Raum mit Bühne, in dem eine gruftige hardcore Band ihre Akkorde (oder so ähnlich) schrummelte, und eine kleine Bar/Pseydotanzfläche mit frisch dahin gescratschtem HipHop. Der main floor ist riesig groß, rechteckig und hat zwei ellenlange bars an den Längsseiten. Natürlich alles nur, um den englischen Trinkbedürfnissen gerecht werden zu können. Netter Veranstalter… :-)
Musik: sehr willkommeneAbwechslung vom gewohnten englischen House-RMB-Halbstundenmix. Man nehme Rock, Indie, bisschen Elektro und viel Sixties, tue alles in einen (DJ)-Mixer, schüttele gut, et voilà! Echt klasse, viel englische Musik (was man meinem Musik-Faschismus sehr entgegenkommt…) und Spaß garantiert. Zum Anfeuchten der (immer wieder merkwürdig schnell trockenen) Kehle gab’s, na, na? Oh yes, Vodka, beer, und zum Schluss sind wir auf Vodka-shots in allen möglichen (überhaupt nicht künstlich schmeckenden) Geschmacksrichtungen umgestiegen. Bilanz des Abends: Wird lieber verschwiegen! Hangover (sprich Mietzekatze): auf wundersame Weise keinen! Geldbeutel: Autsch!
Nun zum interessanten Teil. Der Abend war dazu angetan, wieder neue Erkenntnisse über den englischen Eingeborenen zu sammeln. Was haben wir also gelernt?
1.) Das englische Männchen ist nach wie vor Trendsetter in Sachen Kleidung, Haartracht und Musikgeschmack. Zudem ist es offen und zugänglich sowie willig, alle Mitfeiernden anzurempeln, anzuquatschen und in den party-Sog mitzuziehen! (Jedoch mögen seine ausgeprägten Suff-Anwandlungen dazu verleiten, es eher das europäische enfant terrible zu nennen.)
2.) Das englische Weibchen steht dem in nichts nach! Einziger Unterschied: Der Trendsetter-Faktor ist aufgrund von schon früher beschriebenen Charakteristika aus kontinentaleuropäischer Sicht eher zu bezweifeln. Das macht besagtes Weibchen allerdings wett, indem es dreist und hemmungslos angräbt, antanzt oder …, was es haben will. Da ich jedoch immun gegen solche Annäherungen bin, ist das party-Verhalten des englischen Weibchens einfach immer ein Spaß-Garant. Man kann lächerliche Tanzeinlagen fabrizieren, sich gut unterhalten, oder einfach nur abfeiern.
3.) Haartrachten: Da das Thema ja schon Bestandteil vorhergehender Lektionen war, hier nur eine kurze Ergänzung: Wie wir ja gelernt haben, ist hier Vokuhila in Kombination mit Voduhiblo (Na, wer hat denn da seine Vokabeln nicht ordentlich gelernt? Vorne dunkel hinten blond!) in. Das Ganze wird nun komplettiert mit Rekulila. Wer richtig rät, kriegt nen Lolli! :-) Richtig: rechts kurz links lang! Na, das sind doch drei nette Schwestern, nicht?
4.) Alkohol: Der Engländer an sich, also Männchen wie auch Weibchen, trinkt sich munter lustig unbeschwert in jede Art von Delirium, ist im Landesjargon dann pissed, möchte am nächsten Tag sterben und ist froh, sich nicht mehr so ganz genau erinnern zu können. Ist also wie überall, hier mal keine Unterschiede…
5.) Resumée: English parties are the very best! Nirgendwo kann man so unbeschwert Spaß haben und mit Leuten abfeiern, die man noch nie zuvor gesehen hat (meistens hoffentlich danach auch nie wieder sieht) wie in Tommy-Land! So guys, come on over and check it out!

Liebe Leser und Lernfreudige, damit habt Ihr den Grundkurs English Clubbing for beginners erfolgreich abgeschlossen und könnt das Gelernte nun praktisch anwenden!

In diesem Sinne,
Cheers, Euer Ole


Kulturelle Hochgenüsse…

In den letzten Wochen kamen wir mal wieder in den Genuss einiger kultureller highlights, über die schon lange berichten wollte!

Montag vor zwei Wochen waren wir in einer Lesung von Salman Rushdie. Einigen von Euch ist er vielleicht als der Autor von „The Satanic Verses“ bekannt (es geht um den Koran und die Stellung der Frau im Islam), das wohl eines der umstrittensten zeitgenössischen Bücher überhaupt ist, und dazu geführt hat, dass der Autor seitdem in allem islamisch-theokratischen Systemen mit der Todesstrafe rechnen muss. Deswegen glich die ganze Veranstaltung, die für ganze 3 Pfund im Warwick Arts stattfand, auch eher einem Hochsicherheits-Staatsbesuch. Metalldetektoren, Durchsuchungen, und vor allem viele Polizei-Schränke mit unklar großen Waffen… Rushdie hat aus seinem neuen Buch „Shalimar the Clown“ gelesen (das ich mir in meinem Promiwahn :-) dann auch gleich mal hab signieren lassen). In dem Buch geht es um eine Liebesbeziehung in einem Dorf in Kashmir (wo viele seiner Bücher spielen, seine Wurzeln liegen dort), zunächst ist es eine Liebesgeschichte, die dann aber in Hass, Mord und Rache umschlägt und überall auf der Welt spielt. Ich hab Freitag angefangen zu lesen, und es ist klasse… Nach der Lesung gabs ein moderiertes Interview und dann offene Diskussion mit dem Publikum.
Freitag vor einer Woche ging der Kulturmarathon dann mit Theater weiter. Und ich kanns nicht anders sagen: Amazing, amazing, amazing!!! Es gab, natürlich im Arts, wo sonst, Oscar Wilde’s „The Importance of Being Earnest“. Eigentlich nichts besonderes, denn ich hab gelesen, dass es gemessen an den Inszenierungen, das meistgespielteste Stück Großbritanniens ist. Mir war allerdings beim Kauf der tickets völlig entgangen, dass es sich hier nicht um eine normale Inszenierung handelt. Und eigentlich kann ich ja mit experimentellem Theater so gar nichts anfangen. Gespielt wurde es von einer Gruppe namens „Ridiculusmus“ (sprich: Lächerlichkeit…). Und der Name ist mehr als Programm!! Seit 15 Jahren haben die schon so einige Stücke neu interpretiert, und sich dann gedacht, sie wagen sich mal an den ohnehin schon sarkistisch-witzigen Wilde ran. Das Konzept: es gibt nur zwei Schauspieler, zwei Männer wohlgemerkt, die alle Rollen spielen, auch die weiblichen natürlich! Funktionieren tut das so: Wenn mehr als zwei Personen in einer Szene sind (also fast immer), bleibt der eine unbewegt stehen, während der andere auf der Bühne (!) das Kostüm wechselt. Tja was macht man nun, wenn man sechs, sieben oder mehr in einer Szene hat? Man bedient sich Hilfsmitteln, wie Büsten, Handpuppen, spanischen Wänden, oder steht ganz einfach am Ende nur noch in Unterwäsche auf der Bühne, und hält nur das Kostüm in die Höhe, um zu signalisieren, wer gerade spricht. Natürlich alles immer mit der entsprechenden Stimme, und ohne einen einzigen Patzer. Die Schauspieler müssen praktisch das ganze Stück auswendig können, und dürfen sich vor keiner Banalität scheuen… Es war einfach fantastisch (wir hatten, wie bei der Lesung auch, Plätze in der ersten Reihe…) und wir haben uns weggeschmissen vor Lachen. Und meinen tiefsten Respekt vor dem logistischen Aufwand und der Kreativität, die dahintersteckt, wenn man Bühnenbild, Kostüme und alles andere so gestalten muss, dass es zwei Leute alleine schaffen…
Nächsten Dienstag geht’s nach Kenilworth, ein kleines Örtchen um die Ecke. Dort werden wir Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ sehen, natürlich auf Englisch (hier heißt es einfach „The Visit“) und ich bin schon sehr gespannt. Die Woche drauf ist mal wieder Konzert…
Kulturelle Fortsetzung folgt!

Cheers,
Euer Ole


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