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November 23, 2005

English clubbing for runaways… Lesson One

My dears,

wie ich ja schon berichtet habe, waren wir vor zwei Wochen im Colloseum. Der vorletzte blog-Eintrag widmete sich den unschönen (oder wie England-Ole in Wortneuschöpfung zu sagen pflegt: ungood…) Rahmenereignissen des Abends, so von wegen Auto und Drogenumschlagplatz und so. Nun wird es an der Zeit, die Quintessenz der letzten party eves zusammenzufassen.

Ich meine, mittlerweile behaupten zu können, dass ich ein richtiger kleiner Engländer bin. :-) Zumindest aber lässt mein party behaviour keinen Zweifel daran aufkommen, dass ich mir redliche Mühe gebe, ein solcher zu werden…

Zwei Dinge sind entscheidend: Die Fähigkeit ganz schnell ganz viel trinken zu wollen und zu können einerseits, gepaart mit der absoluten Abwesenheit von Angst vor dem Absturz andererseits. Denn: Suff is good, more Suff is better, you know! So beginnt man also mit einem frühen Dinner, so um 7 pm, und schiebt das erste Alkohölchen, meistens in Form von beer, dann gleich hinterher. Tja, und dann gehts im 10-Minuten-Takt weiter. Natürlich wird jedes zweite Bier mit nem Kurzen oder nem shot gepaart, oder wenn man English advanced trinkt, gibt's doppelten Vodka und shots im Wechsel. (Diese Kombination hat mir übrigens am besagten Samstag das Genick gebrochen, empfiehlt sich ansonsten jedoch wärmstens…). Zuvor habe ich ja immer die Philosophie vertreten: Stay with what you start with. Nun, dies ist aber im Land der Länder (für alle Ortsunkundigen: the UK) gänzlich out. Viel besser: alles durcheinander, am besten beer in one hand and spirits in the other (maybe some shots in your pocket for emergency…). Nun hatte ich ja reichlich zwei Monate Zeit zu probieren, und kann sagen: Ja, ist gut!

Derartig ausgerüstet macht man sich dann allerspätestens gegen halb elf auf ins Getümmel. Man beachte: Bloß nicht zu viel anziehen. Schal, Mütze, Handschuhe sind gänzlich out und überflüssig, denn der Blutalkoholspiegel hält warm, und regelmäßige practice härtet ab! :-) Der Engländer an sich entdeckt grad wieder die Schlaghose, aber dieser wieder auflebende Trend ist grad am Kommen (Woher? Natürlich aus London!) und daher noch vorsichtig einzusetzen. Am besten: vintage denims, Hemd, Krawatte und vielleicht nen Hut (wenn man(n) wagemutig ist). Extreme Hosen und ausgefallene shirts sind out, je älter und abgewrackter es ausschaut, desto besser (oder, nach England-Ole Manier: the more good!). Ihr seht also, so ein Studienjahr im Vereinigten Königreich bringt nicht nur verbessertes Fachwissen mit sich! Nein, nein, auch mein style-Empfinden is grad under improvement. So habe ich mir einige neue Accessoires zugelegt, um mein englisches Ich besser zur Geltung zu bringen. Man trägt jetzt Mantel, Latzhose mit Hemd und Krawatte, und das vom english man heißgeliebte Hemd, mit abgefahrenen Mustern, Aufdrucken und Stoffen.

Man ist also perfekt gekleidet, bleibt nur noch die Haarpracht. Da selbige ja bei mir zu meinem großen Bedauern nicht mehr prächtig sondern eher löchrig ausfällt (my god, was könnte ich alles ausprobieren, wenn da noch etwas mehr wär…), muss man sich so seine Gedanken machen. Nun, man nimmt schlichtweg den Rasierer und rasiert munter drauflos. Meine neueste Entdeckung: Muster entstehen auch durch Zufall! Je abgefahrener dest besser, und demnächst wird die Blondierung nochmal herhalten müssen, denn schließlich wollen die Augenbrauen auch bearbeitet werden.

So, nun ist man endlich ausgehfertig. Und los gehts: Mit diesem neuen englischen Ich lassen sich wahre Wunder vollbringen. Plötzlich nimmt englisches Weibchen den Pseydo-Engländer für einen wahren solchen, und das Flirt-Karussell dreht sich munter (denn es weiß ja Gott sei Dank nicht, dass es sich die Zähne ausbeißt…). Nein, nein, kein Sarkasmus: denn dies ist die erste Bedingung um Spaß mit den Einheimischen zu haben: wahrgenommen werden. Wenn Weibchen flirtet, und Männchen Verbrüderung und party community startet, ist man plötzlich mitten drin, in the English party scene. Und ich muss schon sagen, das englische Feiern kann sich sehen lassen. (Auch wenn die Münsteraner zu ihrem Leidwesen das Gegenteil erleben müssen…) It's fun, because the people are having a party together, and not just simply in the same room, you know.

So come on, don't be shy,
have a party, don't ask why!

XXX,
Yours forever


Französische Zustände…

My dear friends and homestayers (hier mal wieder eine Wortneuschöpfung, sprich die english translation of Daheimgebliebene…),

schon lange wollte ich Euch mal wieder ein paar witzige Zeilen zum Lesen geben, doch der essay-Wahn hat mich fest in seiner Gewalt. Nun ist aber der Moment gekommen, in dem sich so viel Berichtenswertes angestaut hat, dass klein Ole's (winziges Männer-)Hirn zu platzen droht, und deshalb nach Erleichterung schreit. (Nun ja, das ist natürlich auch eine willkommene Gelegenheit, die essays mal essays sein zu lassen…).

In den letzten Wochen haben sich doch so einige interessante Entwicklungen bezüglich unserer weiblichen Mitbewohner ergeben. Und da Ihr ja alle aufmerksam lest, wisst Ihr, dass es sich um die beiden Französinnen handelt, mit denen Italien-Matteo und Deutsch-Ole zusammenleben. Da dies hier eine weltweit zugängliche page ist, werde ich mich beim Schreiben wohl oder übel etwas zurückhalten müssen, denn wer weiß, wer weiß, wer sich da so mit verbesserten Irgendeine-Andere-Sprache-Kenntnissen drauf rumtreibt. Und wir wollen ja keinen dritten Weltkrieg auslösen (oder zumindest (k)einen Hauskrieg), nicht wahr?

Jedenfalls sind unsere beiden Grazien (bei allem Folgenden bleibt zu beachten, dass wir uns im Grunde ganz gut verstehen…) vor einigen Wochen auf die grandiose Idee verfallen, einen Putzplan zu erstellen. Nein, hier wittert Ihr zu Unrecht Sarkasmus, denn mal abgesehen von der Küche (die regelmäßig meinem eigenen Putzwahn zum Opfer fällt), hatten Matteo und ich bis dato nicht sehr viel getan, sprich Bad, Korridor und leaving room. Deshalb stimmten wir in der eigens einberufenen Bewohner-Versammlung der Idee freudig zu, und so legten wir fest, dass immer mittwochs einer Bad und einer Küche machen, somit jeder zweimal im Monat putzen muss. Das Bad umfasst den Korridor, die Küche beinhaltet das Wohnzimmer.
Soweit zur Theorie! Nun zur Praxis: Also der Mensch an sich hat ja schon so ganz unterschiedliche Vorstellungen von Reinlichkeit und cleaning. So beinhaltet das kitchen cleaning der weiblichen Bewohner dieses Hauses lediglich Wischen (wohlgemerkt ohne vorher zu fegen…), wohingegen meinereiner das doch schon etwas genauer nimmt. Reinigung des Herdes ist für die anderen drei Viertel dieses Hauses sowieso ein Fremdwort, so dass Ihr Euch vorstellen könnt, dass klein Ole (besonders morgens) öfter mal Ekelattacken gepaart mit mehr oder weniger starken Agressions-Schüben bekommt. Alles in allem klappt das aber seit vier Wochen ganz gut, und unterm Strich ist das Haus jetzt schon sauberer als vorher (wenn auch nicht, depending on the person cleaning, überall gleich…).

Nun haben sich aber bei der uns aufgezwungenen Versammlung noch ein paar andere Gedanken Freigang verschafft, die unbedingt näher ausgeführt werden müssen. Zum ersten ging es um den Stromverbrauch des Hauses. Uns (sprich den unkultivierten Männern) wurde von den beiden Grazien (Anmerkung des Autors: 21 Jahre alt und zum ersten Mal nicht bei Mutti lebend…) folgendes unterbreitet: Zum einen sollten wir doch bitte nicht so viel waschen, und wenn schon, dann immer den 20-Minuten-quick-wash benutzen. Zum anderen sollte doch bittschön überall im Haus bei Verlassen eines Raumes das Licht gelöscht werden, um Strom zu sparen. Und zu guter letzt: Heizen ist ja eigentlich überflüssig! Nun denn, Matteo und ich bemühten uns redlich, zu erläutern, dass wir erstens so viel waschen wie nötig, zweitens quick wash dreckige Hosen und American football Klamotten nicht sauber bekommt, und es drittens mehr Strom kostet, eine Lampe in einer Stunde dreimal an und auszuschalten, als sie einfach brennen zu lassen. Der Erfolg unserer Anstrengungen ist massiv zu bezweifeln. Begründet wurde all dies von den Grazien mit der, Zitat, "grünen Lebensweise". (Ich sag Euch, ich musste mich schon echt bemühen, vor Lachen nicht vom Stuhl zu fallen…) Obviously ist grüne Lebensweise hier ein Synonym für massiven Geiz. Nun gut, das Ganze setzt sich jetzt in der Form fort, dass jedesmal, wenn Matteo und ich unsere Zimmer verlassen (für Klo, Kaffee or whatever) eine der beiden Grazien lautlos hineinhuscht, und das Lichtlein ausknipst. Kürzlich habe ich mir das verbeten, und ihnen damit gleich mal den unbefugten Zutritt zu meinem Zimmer.
Das alles ist noch recht harmlos gegen das Heizungsproblem. Die beiden sind der beständigen Meinung, dass frieren super ist, um Geld zu sparen. Nun, Ihr kennt mich! Ich hab's gern wohlig warm, und lass mich nicht zum Frieren zwingen, werde außerdem in frierendem Zustand recht unleidlich, wenn Schuldige auszumachen sind. Zu meinem Leidwesen befindet sich ja der Boiler in Jeanne's room, und die beiden haben doch dann hin und wieder täglich einfach mal den Notfall-Schalter umgelegt, der wie der Name schon sagt für Notfälle (Gasaustritt) gedacht ist, und das gesamte Heiz- und Warmwassersystem ausschaltet. Das alles, da es ja so furchtbar warm ist, so unsäglich warm, dass die Grazien mit Socken, Schal, Pullover und Mütze schlafen, um nicht vor Hitze zu ersticken. Und als eine der beiden mir dann vorschlug, ich sollte es ihnen gleichtun, brannte bei mir ein Lichtlein durch (selbstverständlich nur zum Stromsparen…). Letztlich ging mir dann aber wieder eins auf, und zwar über den Grund der bisher acht oder neun occasions, an denen ich wegen Diskunktion (oh, hier mal eine Übertragung vom Englischen ins Deutsche! Wie Ihr sehr, bin ich flexibel…) den service rufen musste. Kein Wunder, wenn kleine Französinnen die ganze Zeit an Knöpfen rumspielen, dann streikt das System früher oder später… :-) Vor zwei Wochen habe ich dem Treiben ein Ende gesetzt, und habe männlich mit der Faust auf den Tisch gehauen. Seitdem: keine Probleme mehr.

Bei besagter Sitzung dachte ich allerdings: Nun denn, ich hab auch noch was zu sagen. Sehr bestimmt habe ich darum gebeten, dass ich nicht mehr jeden Morgen das ganze Wohnzimmer aufräumen muss, denn die Grazien sind sehr ordentlich. Sie halten ihre Zimmer geordnet, indem sie einfach ihr gesamtes Hab und Gut (inklusive Uni-Kram, Make Up, Klamotten, Schuhe und und und) im Wohnzimmer liegen lassen, so dass von den insgesamt acht Sitzgelegenheiten regelmäßig morgens nichts mehr auszumachen, geschweige denn zu benutzen war, mal ganz abgesehen davon, dass das Abräumen von benutzem Geschirr vom Tisch Seltenheitswert besitzt. Mit großen Augen vernahmen sie meine Beschwerde, und fügten sich widerwillig. Ergebnis: Jetzt muss ich morgens nur noch halb so viel wegräumen…

Nun zum Kern der Sache. Ich nutzte die Gelegenheit, und verschaffte meinem Ärger darüber Luft, dass in diesem Haus nur Französisch gesprochen wird. Die Bordeaux-Connection (die Grazien, die zu unser aller Leidwesen mit zwei anderen aus ihrer Heimat-Clique im Rudel hier angereist sind…) ist ständig hier versammelt, nicht selten schon morgens, wenn ich im Pyjama in die Küche zu gelangen versuche, und es interessiert keinen, wenn daneben stundelang Leute (meistens ich) sitzen, die kein Wort verstehen. Matteo hat wenigstens noch seine Italiener, mit denen er gegen das Französisch an-italienischen kann. Einzige Reaktion der Grazien: Ohhh, iiiiit iiiis sssso aaaaarttt forrrrrr assss tuuuu spiiikkkk Ingglisch!! Bon, also mussten andere Geschütze aufgefahren werden. Aber dazu mehr das nächste Mal.

A bientot,
Euer Frankophobi


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