February 12, 2006

Römische Verhältnisse oder: Die Römer in England…

My dears,

nach wie vor gibt es so viel, über dass Ihr unterrichtet werden müsst. Deswegen mach ich fließig weiter und bring Euch auf den neusten Stand der englischen Dinge.

Am 17. des vergangenen Monats haben wir hier den Geburtstags meines housemtaes gefeiert, Matteo wurde 22. Und da muss natürlich ordentlich was aufgezogen werden. Mal abgesehen davon, dass wir schon alle (also ich und die Italiener…) recht lange vorher angefangen haben, zu überlegen, was wir denn als Geschenk überreichen könnten, wurde kein Aufwand gescheut. Da hier Gott sei Dank jemand seinen housemate gut kennt, hab ich gewusst, womit man Freude bereiten kann, und er bekam, neben etlichen persönlichen Kleinigkeiten von jedem einzeln, von uns vier zusammen ein Piercing, dass er sich schon lange gewünscht hatte. Aus der tollen Idee einer Überraschungsparty wurde leider nichts da Signore Starri selbst die Idee einer Party hatte. So haben wir die Organisation gemeinsam in die Hand genommen. Die Wahl fiel auf den Geburtstags-Dienstag, da wir ja alle am Mittwoch frei haben. (Überhaupt haben seltsam viele Erasmuslinge Mittwochs keine Uni…) Und als ich am Donnerstag davor sturztrunken des Morgens (also quasi schon Freitag…) nach Hause kam, informierte mich ein freundlicher Zettel darüber, dass der Gastgeber dem ganzen noch etwas Würze verleiht, indem er eine Motto-Party draus macht. So hieß es am Dienstag dann: Toga, Toga, Toga…

Nun, wir vier housemates hatten ja den Vorteil, nicht in Kostümierung raus in die Kälte zu müssen, und konnten uns somit richtig ins Zeug legen. Während Jeanne Kleopatra gab (was ja eigentlich mein Part gewesen wäre…) und damit deren unbestreitbare Zugehörigkeit zur römischen Geschichte unter Beweis stellte, machte Alix eine hervorragende Calpurnia her… Tja, und die Männer? Als hosts musste es für uns natürlich etwas ganz Besonderes sein. Wegen der ausladenden Vorbild-Wirkung entschied ich mich für Caligula, das Soldatenstiefelchen, und Matteo gab niemand geringeren als Augustus himself. Und ich muss schon sagen: Wir konnten uns echt sehen lassen, das hätte ein richtiges Kostüm auch nicht besser hinbekommen. Also, Woolworth-Laken sei Dank!

Gegen neun am Abend fingen die Leute an einzutrudeln, das Haus war bald zum Brechen voll, der Alkohol floss reichlich. Zwar hatten wir so einiges eingekauft, aber auch die Gäste haben sich nicht lumpen lassen, und haben noch so das ein oder andere beigesteuert. Bald ging's feucht-fröhlich zu, das hätten auch die Römer nicht besser hinbekommen. Und ich sag Euch: wirklich alle waren im Kostüm erschienen, und offensichtlich waren der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Natürlich wurde das obligatorische Liedchen gesungen, der Kerzen-Kuchen serviert und die Geschenke offiziell-rituell überreicht. Die letzten Römer haben das Schlachtfeld gegen halb acht am Mittwoch Morgen verlassen… Und wir? Tja wir! Wir haben für eine weitere Legende gesorgt, und einen neuen Maßstab für parties gesetzt, auf jeden Fall war das Ganze das Gesprächsthema unter den Erasmuslingen… Jedoch haben die Römer alles in allem eher wie Barbaren gewütet, so sah zumindest am nächsten Morgen das Haus aus. An dieser Stelle möchten wir nicht weiter ins Detail gehen, alles andere wäre unappetitlich. Nur soviel: auf circa 50 Leute kommen schlappe 500 Bier, 4 Flaschen Wodka, 6 Flaschen Wein und noch andere Spirituöschen…

Übrigens: das piercing wurde am darauf folgenden Montag in Matteo's Zunge versenkt, und macht dort noch einigen Tagen des Leidens (Suppe für den Fleischesser…) jetzt echt was her.

Hugs and kisses,
Euer Ole


February 11, 2006

Frohes neues Chaos…

Meine Lieben,

hier nun endlich wieder Nachrichten aus dem vereinigten Königreich! Es tut mir wirklich furchtbar Leid, dass ich Euch so lange hab auf dem trockenen sitzen lassen, und deshalb hier erstmal eine kurze Erklärung der hindernden Umstände.
Einige Tage nach dem Weihnachtsfeste, das ich ja hier mit Truthahn and christmas pudding (nebst meiner Ma) verbracht habe, hat sich mein wertes notebook in die (vermeintlichen) ewigen Jagdgründe verabschiedet. Damit war ich erstmal von jeder Kontaktmöglichkeit abgeschnitten. Mails lesen war zwar in der Uni drin, aber zum Schreiben blieb mir dann on campus meistens keine Ruhe (denn Ihr wisst ja: Nachts, allein, daheim, schreibt sichs am besten…). Ende Januar brachte aber ein glücklicher Zufall die Lösung des (Was-für-komische-Sachen-macht-denn-der-PC)-Rätsels, und er funktioniert seitdem wieder, zwar mit kleinen Einschränkungen, aber immerhin… Nun werdet Ihr sagen: Gut, das ist aber schon drei Wochen her, und immer noch nichts! Richtig, denn unfortunately ging mit der Genesung des notebooks meine Erkrankung einher, zwar nicht an software-Problemen, sondern vielmehr hardware-Verschleiß. Aber dazu später… Nun, nach halbwegs erfolgter Genesung (denn die Rehabilitation besagter hardware wird einige Wochen in Anspruch nehmen…) kann ich mich wieder meinen Kontakten zur Außenwelt, sprich zu Euch, widmen. But again: I apologise most profusely!

Deswegen zunächst einmal: Ein frohes neues Jahr 2006 für Euch alle, wo auch immer Ihr jetzt seid, was auch immer Ihr grad und im Verlauf dieses Jahres machen werdet. Alles Gute, viel Glück und Freude wünsche ich Euch von ganzem Herzen! (Bitte verzeiht die Verspätung!) Hoffentlich seid Ihr mit weniger bis keinem Chaos in 2006 gestartet als ich. Ein Vögelchen hat mit am Silvester-Abend gezwitschert, dass das diesige das Jahr der Jahre für uns werden wird… Nun ja, leider hat sich das mir noch nicht so blicken lassen, bis jetzt eher das Unjahr der Jahre… Aber, was nicht ist, kann ja noch werden!

Nun wo fange ich an, wenn ich mal eben fast zwei Monate im Zeitraffer durchgehen will? Vielleicht ja am Anfang… Weihnachten hier war sehr schön! Die housemates waren alle heimgeflogen, das Haus war ruhig, und meine Ma war da. Ehrlich, diese 7 Tage waren dis dato seit Ankunft in the UK die ersten und einzigen mit richtig Ruhe, Zeit zum Durchatmen und Seele baumeln lassen, und einfach faulenzen. Ich hab es sehr genossen. Ganz nebenbei hatte ich für ein wenig Weihnachten gesorgt, mit typisch englischer Deko, und, und, und? Na klar, nem richtigen englischen (Plaste-)Weihnachtsbaum. Wenn schon, denn schon, oder? Ganze 2,20 Meter und von von einzigartiger Symmetrie schmückte das gute Stück, behangen mit vielen schönen Dingen, bis Mitte Januar unsern leaving room (der dadurch selbstverfreilich erst richtig zum living room wurde…), und sorgte allseits für Verzückung und Bewunderung. Das Fest an sich, das in England ja nur aus einem Tag besteht, dem 25. Dezember, auch genannt christmas day (die Armen, nur ein Tag…), haben wir ganz zünftig englisch verbracht, es gab einen ganzen, gefüllten Truthahn mit Yorkshire pudding und Rosenkohl, zum Nachtisch christmas pudding, und die ganze Zeit mince pies. Gepaart haben wir dies mit einigen deutschen Traditionen, wie zum Beispiel Kartoffelsalat und Würstchen am Heiligabend (jaja, einige von Euch werden jetzt heftig protestieren, aber zumindest Berliner Tradition ist das wohl doch…). In einem Punkte haben wir uns für die Zwischenvariante entschieden: So gab es die Bescherung nicht vor dem Abendessen am Heiligen Abend, und auch nicht am Morgen des christmas day, sondern einfach dazwischen in der Nacht. Die perfekte Kombination aus englischer und deutscher Weihnacht also, unterlegt mit russischer Weihnachtsmusik…

Der Abflug von Ma wurde unmittelbar gefolgt vom Anflug lieber Freunde. Ja, hier seid Ihr gemeint, Silke und Britta! :-) Trotz kleiner Unpässlichkeiten (denn wie ich jetzt leidlich auch weiß, ist die Gesundheit nicht zu bestechen…) hatten wir ein paar Tage tolle Tage mit sightseeing in Coventry (obwohl's da ja nichts zu sehen, eher wegzulaufen gibt) und Birmingham, Besichtigung von Kenilworth und Warwick. Und natürlich quatschen, quatschen, quatschen… Ob Ihr's glaubt oder nicht, wir haben die Silvesternacht mit vielen flüssigen Freunden, aber ansonsten ganz allein, hier im Haus verbracht, gefeiert, gelacht, gequatscht, gespielt, und uns vor allem gefreut, dass wir beisammen sind.

Aber auch diese Tage gingen (leider viel zu schnell) vorüber, und eh man sichs versah, war das neue Jahr angebrochen, Freunde und Familie wieder weg, und die Uni hatte wieder begonnen. Aber die Verdrießlichkeit war von kurzer Dauer, da am zweiten Uni-Tage schon die Birgit angeflogen kam. Und wieder hieß es: quatschen, bis der Mund fusselig war, und einfach nur das Beisammensein genießen, so sehr, dass wir in vier Tagen nicht ein einziges Besichtigungsziel angesteuert haben, von der obligatorischen campus-tour mal abgesehen. Und da ja auch die anderen mittlerweile wieder eingetrudelt waren, konnte die Heimat auch mal Kontakt mit den Erasmuslingen aufnehmen, wie wir von unserem society-Guru Marky Mark immer liebevoll genannt werden…

Aber aller Abschied ist ja leider unausweichlich (gibt's das Sprichwort???), und so war klein Ole am 9. Jänner wieder allein in der großen weiten Welt und konnte sich von Neuem den erasmuslingischen Aktivitäten widmen… Aber das ist eine andere Geschichte.

Love, Euer Ole


December 18, 2005

Robin Hood und der steife Hals von Nottingham…

Hello my dears,

Berichte, Berichte, Berichte! Und weiter gehts!
Vergangenen Donnerstag hieß es: Nottingham, die zweite! Diesmal mit der Uni, oder besser gesagt, angeboten und organisiert vom International Office für die Zurückgebliebenen, Heimatlosen (wie mich) und Spät-nach-Hause-Fahrer. Man fährt zusammen hin und zurück, und kann ansonsten machen, was man will. Nachdem wir, das heißt in diesem Falle Erica, Gioia, Matteo, Giorgio, Raissa und ich, morgens erstmal fast den Bus verpasst hätten (um sieben aufstehen ist einfach ein Ding der Unmöglichkeit…), gings auf. Angekommen und Kleinkindergarten-mäßig vom Busfahrer mit Stadtplänen ausgestattet und rausgelassen, haben wir uns erstmal in ein Café zum Frühstück zurückgezogen. Das war mir auch sehr lieb, denn in der Nacht von Montag zu Dienstag hab ich mir wohl ein "wenig" den Hals verrenkt, mit der Folge dass (Kopf-)Bewegungen nach links seit Dienstag Abend ins Reich der Unmöglichkeiten zu zählen sind. (Mal ganz ehrlich: trotz folgender Ironie kann ich mich kaum erinnern, schon mal solche Schmerzen gehabt zu haben. Aber, richtig Mama, Indianer kennen ja keinen Schmerz! – Hallo Manitu!) Nun stelle man sich folgendes Bild vor: Eine Person, die irgendwie schief aussieht, in der Fußgängerzone, versuchend trotz massiver Links-Unpässlichkeit einen Schaufensterbummel durchzuführen. Dazu liebe Freunde, die immer hinter der Person laufen, und diese (bevorzugt von links) ständig mit Namen rufen. So oder so ähnlich zog unsere Runde dann durch shopping-Nottingham, und der einzige Weg, meine Schmerzen zu stillen war neben guten kleinen Freunden namens Paracetamol, na na? Richtig: Einkaufen! Gedacht, getan, und meine neuen Shuhe können sich sehen lassen. (Diesmal übrigens ganz ohne No-Trainers-Anlass…).

Aber welch Kulturbanausen wären wir, wenn wir nur zum shopping nach Robin-Hood-Town gefahren wären (obwohl mit Weihnachten schon ein gewichtiger Grund vorliegt…). Nein, nein, es gab auch ein sightseeing-Programm. Ich hab den andern ein paar Ecken gezeigt, die ich vom letzten Besuch kannte. So vor allem die church bar, the Pitcher and Piano. Wie ich mittlerweile herausgefunden habe, handelt es sich dabei um eine Kette, die ihre bars immer in ganz ausgefallenen locations einrichtet… Und die anderen waren schwer beeindruckt, genauso wie ich beim ersten Mal. Und natürlich habe ich die Gelegentheit einer am Nachmittag leeren church nicht vorbeigehen lassen, ohne Euch ein paar Fotos zu machen. (Sobald einige technische Schwierigkeiten überwunden sind, findet Ihr diese HIER). Dann gings weiter: Robin Hood Museum (jaja, der Originalität sind keine Grenzen gesetzt…) und dann Nottingham Castle. Das Castle an sich ist nur ein Teil der alten Anlage, beherbergt ein Museum und ist nicht besonders sehenswert. Interessanter sind dagegen die Höhlen darunter…richtig, genau die, in denen der böse sheriff die arme Lady Marian und viele unschuldige Bauern gequält hat…). Ganz Nottingham ist von einem Höhlensystem unterzogen, wohlgemerkt von Menschenhand in den Sandstein gehauene Höhlen, und so ein Spaziergang da unten bringt einiges Mittelalterliches ans Licht…

Danach gings wieder ins 'Trip To Jerusalem', Ihr erinnert Euch? The olest Inn in England. Und diesmal sin wir richtig eingekehrt, mit Beer nd fish and chips. Und bei guter Lektüre und schiefen Kopf habe ich de Tag gebührlich ausklingen lassen… Beweise folgen!

Lots of love,
Euer Ole


I got stone'd in Birmingham…

Wer nach den letzten Zeilen dachte, nun ist aber genug music for this year, lag leider falsch. :-) Denn weiter ging's! Am Mittwoch hieß: the queen of Soul in B'ham: Joss Stone.

Ich sag Euch, darauf hatten wir uns lang gefreut. Und dann war es endlich soweit. Wir machten uns am späten Nachmittag aufn Weg nach B'ham, mit dem Zug schnell und bequem in ner halben Stunde zu erreichen, is also wie S-Bahn fahren in Berlin… Angekommen, noch ein kurzer Abstecher zu McDoof, und dann ab ins Venue. The National Indoor Arena, or NIA, ist eine reine Musikhalle, und ich würd mal schätzen sie fasst 15.000 Musikfreaks. Show war ausverkauft, also volles Haus. Erstmal haben wir uns ein echt geiles fan shirt geleistet, ihr werdet sehen… Und dann ging's los, punkt 19:30 (das liebe ich an England, unter anderem…) stand der opening act on stage, ne Band namens Mattafix, die ich Euch nur allerwärmstens ans Herz legen kann, schließlich bin ich ja Euer amtlich (Matteo?) geprüfter Musikberater. The music was a mix aus hiphop, soul and raggae, der Sänger sprang über die Bühne (was wir von unseren Plätzen ganz vorne gut sehen konnten) und das Ganze war ein echter Hochgenuss! Tja, und dann gings Licht an und es hieß: Umbau und banges Warten. Nach (gefühlten) Ewigkeiten ging das Licht wieder aus, und da war sie! Die Göttin des Souls. Für das folgende fehlen schlichtweg angemessene Worte. Nur soviel: grandiose Band, klasse Song-Auswahl, super show, und diese Stimme sucht einfach ihresgleichen! Und mit Sicherheit sind während dieses Konzerts einige Männerherzen für immer dahingeschmolzen. Es ist und bleibt unglaublich: 19 Jahre!!

I really got stone'd, Joss stone'd!
Für dieses Jahr war's das erstmal mit der Musik, aber der Januar kommt bestimmt, und dann gibts wieder offizielle Musik Tipps aus dem Land von Feeder, The Coral and Kaiser Chiefs…

Kisses,
Euer Ole


Kulturelle Hochgenüsse… pt. II

Wie gestern schon angekündigt müssen dringend einige Ereignisberichte nachgereicht werden. Dazu gehört notwendigerweise und vor allem ein Bericht unserer kulturellen Aktivitäten. Wie ihr ja als fleißige Leser wisst, lebe ich als Musikbegeisterter zusammen mit dem noch viel Musikbegeisterteren Matteo. Rechnung öffnet sich wie folgt: Matteo + Ole = viele Konzertkarten!
Vor einigen Wochen habe ich mich eines Freitags Morgens, an dem Matteo Spanish examination hatte und demzufolge nicht selbst zugegen sein konnte, brav um 9am englischer Zeit vor den PC geklemmt, und in einem 45 Minuten andauernden Kampf Karten für die Strokes erstanden. So sieht unser Konzertprogramm nun folgendermaßen aus: Belle & Sebastian and The Strokes in January, Shout Out Louds, The Magic Numbers and The Concretes in February, James Blunt and David Gray in March, Kaiser Chiefs in April and Texas in May. Hihi…da kommt Vorfreude auf!
Just an selbigem Freitag rief mich ein freudig erregter Matteo des Nachmittags an, während ich versuchte, mich vom Strokes-Kampf zu erholen, und berichtete von einem gewissen Festival in Cardiff, genannt Noise & Confusion. Nun, da haben wir doch nicht lange gezögert, und haben für schlappe 35 Pfund Karten erstanden, und zwar für: The Subways, The Coral, Razorlight (drei superangesagte Bands in the UK), Foo Fighters and Oasis! Ich hoffe, dass diejenigen unter Euch, die jetzt an heftigen Herzflattern leiden, dieses gut überstehen. (Mir ging's genauso…)
So machten wir uns am vergangenen Samstag, dem 10. Dezember 2005, des Morgens mit dem Auto auf nach Cardiff, der Hauptstadt des schönen Wales. Wir meint: Gioia, Erica, Adriano, Matteo and me! (An alle Süd-Engländer: Wir überquerten die Severn-Bridge und passierten Chepstow…) Das Ganze fand im Millennium Stadium statt, das mal eben schlappe 40.000 Leute fasst (PS: Die Veranstaltung war ausverkauft…). Nach erfolgreicher Parkplatzsuche, Schlangestehen beim Einlass und bangem Warten bis zum Beginn ging's dann um 2 pm endlich mit zwei Vorgruppen los. Und dann folgte ein Kracher nach dem anderen, und als dann schließlich die Foo's on stage waren gab's (zumindest für mich) kein Halten mehr. Richtig voll wurde as Stadium erst während der Foo's, als alle in froher Erwartung von Oasis hineinströmten. Und so boten unsere Brit-Popper dann auch eine furiose Show, die gegen 10.30pm ihr Ende fand. Völlig erschöpft, aber überglücklich ob dieses Augen- und Ohrenschmauses machten wir uns auf den Weg zurück nach Hause, wo wir alle mit unvergänglichen Erinnerungen ins Bett fielen. (Wer in welches Bett bleibt an dieser Stelle das Geheimnis der Beteiligten…)

Mal ganz ehrlich: Ich hab noch nie was derartiges erlebt! Shitfucking amazing!!! Mal abgesehen von der location und der Masse der Menschen, und das allein wäre schon ein Erlebnis gewesen, muss man einfach nochmals betonen: Wenn der Engländer an sich was kann, dann ist es definitely music! Razorlight and The Coral sind sehr Indie, ein bißchen Rock, und vor allem gorgeous! The Subways sind viel Rock und Punk, und reißen mit ihrer Bühnenshow echt mit. Und über te Foo's and Oasis muss man ja wohl nicht weiter sprechen…

Empfehlung des Autors: Antesten!!!
Fotos folgen!

Hugs and kisses, your own personal music adviser (also called Ole)


December 17, 2005

Klappe, die erste…

My dears,

in den letzten Wochen ging es rund um meine Ohren recht turbulent zu, und deshalb muss ich Euch jetzt ein paar "brandaktuelle" news nachreichen, sozusagen als kleinen vorweihnachtlichen Info-Gruß!

Erstmal ist ein kleiner Bericht zu ersten term fällig.
Jaja, genau richtig. Der erste term meines Auslandsjahres ist schon vorbei, und zwar bereits seit zwei Wochen! Nach genau zehn Wochen war am 3. Dezember letzter Schultag, den man (in diesem Fall ich) mit einer gelungenen seminar session zur mittelalterlichen Kirche ausklingen ließ. Und dann hieß es party und schlafen!

Bilanz der zehn Wochen: vier geschriebene essays, von denen die zwei bereits zurückbekommenen sich durchaus sehen lassen können. (Über die anderen beiden und die mit ihnen verbundenen Erwartungen möchte der Autor hier nicht sprechen, da sie im Wahn zwischen Dienstag und Freitag of week 10 entstanden sind…) Drei gehaltene Referate, die abgesehen von gelegentlichem, unverständlichem Rumgestotter und ganz eigenen Wortneuschöpfungen à la 'ungood', auch ganz gut gelaufen sind. Zwei geschriebene book reviews, obwohl mit book hier eher längere articles gemeint waren… Und zu guter Letzt: eine mehr oder weniger kontinuierliche Vorbereitung auf die seminars, die lediglich unter etwaigen kulturellen (meint: party) Beeinflussungen leiden musste… Ich bin mir noch nicht sicher, ob man sagen könnte, ich habe viel gelernt, denn schließlich sind die modules ja ganzjährig, und deswegen ist Verknüpfungsarbeit erst später zu erwarten, jedoch war einiges recht Interessantes dabei. Wenn Ihr mir die kleine Eitelkeit verzeihen wollt, bin ich doch recht zufrieden mit mir. Zeitmanagement ist zwarr wie immer und überall mein Prolem no. 1(einige von Euch dürften sich jetzt kräftig schlapplachen…)! Aber ich arbeite dran, und der Zeitdruck beim Arbeiten hier wirkt auch förderlich. Alles in allem sollte es hoffentlich im nächsten term besser werden.

Was denkt man nun über die ersten drei Monate in einem anderen Land? Zunächst: Klasse Uni! Klasse Haus! Nach wie vor fühle ich mich hier superwohl, eher mehr als am Anfang, und die Gegend, in der wir wohnen, ist einfach zum Verlieben! Klasse Freunde! Es ist doch sehr interessant, zu beobachten, wie das so läuft, wenn plötzlich so viele verschiedene Menschen, noch dazu aus verschiedenen Nationen, zusammenkommen. Am Anfang ist es superspannend, und man lernt praktisch jeden Tag viele neue Leute kennen. Und dann ganz langsam, ohne das man es merkt, bilden sich so Kontaktnetzwerke aus. Will heißen: unter dem Einfluss der Wohngegend und der Studienfächer lernt man sich eben kennen, und entscheidet sich recht schnell für die Leute, mit denen man mehr zu tun haben möchte. Et voilà: ein Freundeskreis. In einem solchen genieße ich nach zwei aufregenden Ferien-Wochen gerade die letzten Tage vor Weihnachten bevor die letzten morgen und übemorgen nach Hause fliegen. Alles in allem ist so ein Auslandsjahr unter Erasmus-Studenten doch eine recht kommunikative und aktivierende Angelegenheit. Man geht aus, geht auf (house-)parties und tanzen, man läd zum Essen ein und wird eingeladen, man trifft sich in den Freistunden, und vor allem grast man die Kulturlandschaft ab. Ich glaube, so viel wie in den letzten drei Monaten habe ich in den letzten vier Jahren nicht mehr gemacht. Und Freunde, heut Morgen hatte ich Theater- und Konzertprogramm für den nächsten term in der Hand: das war erst der Anfang…

Was bleibt also zu sagen? Ich fühle mich hier immer wohler, Einleben ist zwar immer noch im vollen Gange, aber das bezieht sich eher auf den großen Zusammenhang. Im Alltäglichen bin ich angekommen, vollständig! Mittlerweile ist es schwer geworden, leichtfertig die Frage abzutun, die einige unter Euch in einem bestimmten Kalender formuliert haben: Ob er jemals wiederkommt? Ich kann nicht leugnen, dass der Gedanke da ist!

Wenn Matteo am Montag geflogen ist, bin ich ganz allein hier, dann ist niemand mehr da, alle sind daheim. Zwar kommt ein Stück meiner Heimat (in Form meiner Mum) schon einen Tag später zu mir, aber das ändert nichts daran, dass ich Euch fürchterlich vermisse! Zwischenzeitlich war es schwer die Entscheidung aufrecht zu erhalten, nicht nach Hause zu fliegen, wenn alle darüber reden, wie sehr sie sich auf daheim freuen! Aber ich weiß ja, dass viele von Euch den Weg über den Kanal finden werden, und das macht mich wahnsinnig froh!

In diesem Sinne: ein großes Danke! an alle von Euch, denn Ihr unterstützt mich so sehr in dem was ich hier tue, you cannot imagine! Ich wünsche Euch allen ein besinnliches Weihnachtsfest im Kreise Eurer Lieben und umarme Euch fest!

Lots of love,
Euer Ole


November 28, 2005

London – Mother Of All Cities…

Halli Hallöchen,

meine Lieben, da bin ich mal wieder, mit (nicht mehr ganz so) frischen news aus dem Land von Lizzy, Feeder und scones.

Am letzten Montag, also schlicht genau vor einer Woche, waren wir in London. Wir, das heißt in diesem Fall ich plus sechs Italiener. Matteo hatte Besuch von seinem besten Freund aus Italien Mattia (also das ist doch mal was: Matteo und Mattia), und unsere guten Freunde Gioia und Erica aus Sardinien hatten ebenfalls Besuch von zwei Freundinnen aus der Heimat, Claudia und Carla. Und ihr könnt Euch sicher gut vorstellen, wie aufgeregt klein Ole war, so ganz der Einzige, der die Stadt der Städte zum allerersten Mal besucht…

Wir machten uns Montag Morgen um acht von Coventry mit National Express (Bus) auf, und waren dann um kurz nach halb elf in London, und zwar mittendrin, on Oxford Street. Auf dem Weg dorthin durchquerten wir ein Viertel, das obviously das Judenviertel ist, und das es mir besonders angetan hat. (Leider war an diesem einen Tag nicht genug Zeit für so vieles, so dass ein ausführlicher Spaziergang beim nächsten Besuch als Erstes ansteht…) Apropos Zeit: purpose of the day was: SHOPPING! Naja, und da sind wir wir natürlich on Oxford Street genau am richtigen Ausgangspunkt aus dem Bus gesprungen. Eine lange breite Strasse mit vielen noblen shops, Ketten, und kleineren souvenir-shops, alles viel zu teuer, aber scön anzuschauen, vor allem mit der bereits überall angebrachten Weihnachtsdeko, passionately loved by the British… Von da gings direkt nach Soho, eben jenes Viertel, in dem in den späten 60ern swinging London seinen Anfang fand. Heute ist das ehemalige Künstler- und Alternativen-Viertel eher ein schickes und teures In-Viertel, und das reinste Shopping-Paradies… So grasten wir dann also einen brand shop nach dem anderen ab, und es war für jeden was dabei… Allerdings musste sich klein Ole mit seinen übergroßen Augen doch arg zusammenreißen, denn zu seinem Leidwesen sind Kreditkarten auch nur aus Plaste, und werden von Soho-Preisen schlichtweg schnell gesprengt… Besonders angetan haben es mir allerdings Merc und Lonsdale, und ja, ich werde zurückkehren, nächsten Sommer hab ich zwei Monate Zeit… Barclaycard beware!!!

Nun stellte sich also die Frage: wo gehts auch billiger? Richtig, meine lieben London-Kundigen: In Camdon Town! Also von Soho ab in den Untergrund, die Metro genommen (und ich sage Euch: bei den verzweigten Tunneln und Gängen, tief unter der Erde, ist das scon ein echtes Erlebnis, und die Preise tragen zusätzlich zum Atemverlust bei…), und drei Stationen später in vollkommen verändertem Ambiente wieder ins Tageslicht entschwunden. Man (in diesem Falle ich) konnte kaum glauben, dass man (...) sich noch in derselben Stadt befindet. Unglaubliches Gewimmel, hoher internationaler Anteil, eher untere Gesellschaftsschichten, Musik und der Geruch von orientalischem Essen in der Luft, Straßenhändler, und hier und da das Geräusch von elektrischen Nadeln, die Farbe in Haut stechen, aus den sich aneinanderreihenden Tattoo- und Piercing-Shops dringend… Das Paradies! London wie man es aus den Erzählungen kennt: turbulent, multikulturell, und hin und wieder ein wenig gefährlich…

Nachdem ich mich gerade noch so beherrschen konnte (oder haben mich die anderen abgehalten???), mir mal eben schnell ein sehr heißes Tattoo stechen zu lassen, betraten wir wieder eine andere Welt: Ein riesiges Areal offener Industrie- und Fabrikationshallen, notdürftig-alternativ überdacht und miteinander verbunden, mit vielen kleinen shops, cafés, eating facilities und und und. Alles in allem mehr ein Basar, und genau das, was man von London erwartet: trendy, alternativ, trendsetting and extremely lively…

Nach einigen Stunden dort gabs nen echten italienischen Espresso (mittlerweile war es dunkel), und dann, alle bepackt mit zahllosen Tüten, gings auf zum sightseeing. Buckingham Palace, Trafalgar Square, River Thames, Houses of Parliament, Big Ben, Tower Bridge, Westminster Abbey, St. Paul's, Picadilly Circus, und zu guter letzt China Town, wo wir dann gegen zehn in einem chinesischen all-you-can-eat einkehrten und uns stärkten. Danach genossen wir noch eine Stunde die Vorteile des 24 hour shoppings, und um zwölf hieß es: Einsteigen und Vorsicht bei der Abfahrt bitte! Im Sitz angekommen, sind wir alle ganz brav eingeschlafen und waren dann halb drei des Nächtens wieder daheim im schönen Coventry.

Meine Lieben, London is more than amazing.
Und deswegen heißt es: Teil zwei folgt bald.

Hugs and kisses,
Euer Ole


November 23, 2005

English clubbing for runaways… Lesson One

My dears,

wie ich ja schon berichtet habe, waren wir vor zwei Wochen im Colloseum. Der vorletzte blog-Eintrag widmete sich den unschönen (oder wie England-Ole in Wortneuschöpfung zu sagen pflegt: ungood…) Rahmenereignissen des Abends, so von wegen Auto und Drogenumschlagplatz und so. Nun wird es an der Zeit, die Quintessenz der letzten party eves zusammenzufassen.

Ich meine, mittlerweile behaupten zu können, dass ich ein richtiger kleiner Engländer bin. :-) Zumindest aber lässt mein party behaviour keinen Zweifel daran aufkommen, dass ich mir redliche Mühe gebe, ein solcher zu werden…

Zwei Dinge sind entscheidend: Die Fähigkeit ganz schnell ganz viel trinken zu wollen und zu können einerseits, gepaart mit der absoluten Abwesenheit von Angst vor dem Absturz andererseits. Denn: Suff is good, more Suff is better, you know! So beginnt man also mit einem frühen Dinner, so um 7 pm, und schiebt das erste Alkohölchen, meistens in Form von beer, dann gleich hinterher. Tja, und dann gehts im 10-Minuten-Takt weiter. Natürlich wird jedes zweite Bier mit nem Kurzen oder nem shot gepaart, oder wenn man English advanced trinkt, gibt's doppelten Vodka und shots im Wechsel. (Diese Kombination hat mir übrigens am besagten Samstag das Genick gebrochen, empfiehlt sich ansonsten jedoch wärmstens…). Zuvor habe ich ja immer die Philosophie vertreten: Stay with what you start with. Nun, dies ist aber im Land der Länder (für alle Ortsunkundigen: the UK) gänzlich out. Viel besser: alles durcheinander, am besten beer in one hand and spirits in the other (maybe some shots in your pocket for emergency…). Nun hatte ich ja reichlich zwei Monate Zeit zu probieren, und kann sagen: Ja, ist gut!

Derartig ausgerüstet macht man sich dann allerspätestens gegen halb elf auf ins Getümmel. Man beachte: Bloß nicht zu viel anziehen. Schal, Mütze, Handschuhe sind gänzlich out und überflüssig, denn der Blutalkoholspiegel hält warm, und regelmäßige practice härtet ab! :-) Der Engländer an sich entdeckt grad wieder die Schlaghose, aber dieser wieder auflebende Trend ist grad am Kommen (Woher? Natürlich aus London!) und daher noch vorsichtig einzusetzen. Am besten: vintage denims, Hemd, Krawatte und vielleicht nen Hut (wenn man(n) wagemutig ist). Extreme Hosen und ausgefallene shirts sind out, je älter und abgewrackter es ausschaut, desto besser (oder, nach England-Ole Manier: the more good!). Ihr seht also, so ein Studienjahr im Vereinigten Königreich bringt nicht nur verbessertes Fachwissen mit sich! Nein, nein, auch mein style-Empfinden is grad under improvement. So habe ich mir einige neue Accessoires zugelegt, um mein englisches Ich besser zur Geltung zu bringen. Man trägt jetzt Mantel, Latzhose mit Hemd und Krawatte, und das vom english man heißgeliebte Hemd, mit abgefahrenen Mustern, Aufdrucken und Stoffen.

Man ist also perfekt gekleidet, bleibt nur noch die Haarpracht. Da selbige ja bei mir zu meinem großen Bedauern nicht mehr prächtig sondern eher löchrig ausfällt (my god, was könnte ich alles ausprobieren, wenn da noch etwas mehr wär…), muss man sich so seine Gedanken machen. Nun, man nimmt schlichtweg den Rasierer und rasiert munter drauflos. Meine neueste Entdeckung: Muster entstehen auch durch Zufall! Je abgefahrener dest besser, und demnächst wird die Blondierung nochmal herhalten müssen, denn schließlich wollen die Augenbrauen auch bearbeitet werden.

So, nun ist man endlich ausgehfertig. Und los gehts: Mit diesem neuen englischen Ich lassen sich wahre Wunder vollbringen. Plötzlich nimmt englisches Weibchen den Pseydo-Engländer für einen wahren solchen, und das Flirt-Karussell dreht sich munter (denn es weiß ja Gott sei Dank nicht, dass es sich die Zähne ausbeißt…). Nein, nein, kein Sarkasmus: denn dies ist die erste Bedingung um Spaß mit den Einheimischen zu haben: wahrgenommen werden. Wenn Weibchen flirtet, und Männchen Verbrüderung und party community startet, ist man plötzlich mitten drin, in the English party scene. Und ich muss schon sagen, das englische Feiern kann sich sehen lassen. (Auch wenn die Münsteraner zu ihrem Leidwesen das Gegenteil erleben müssen…) It's fun, because the people are having a party together, and not just simply in the same room, you know.

So come on, don't be shy,
have a party, don't ask why!

XXX,
Yours forever


Französische Zustände…

My dear friends and homestayers (hier mal wieder eine Wortneuschöpfung, sprich die english translation of Daheimgebliebene…),

schon lange wollte ich Euch mal wieder ein paar witzige Zeilen zum Lesen geben, doch der essay-Wahn hat mich fest in seiner Gewalt. Nun ist aber der Moment gekommen, in dem sich so viel Berichtenswertes angestaut hat, dass klein Ole's (winziges Männer-)Hirn zu platzen droht, und deshalb nach Erleichterung schreit. (Nun ja, das ist natürlich auch eine willkommene Gelegenheit, die essays mal essays sein zu lassen…).

In den letzten Wochen haben sich doch so einige interessante Entwicklungen bezüglich unserer weiblichen Mitbewohner ergeben. Und da Ihr ja alle aufmerksam lest, wisst Ihr, dass es sich um die beiden Französinnen handelt, mit denen Italien-Matteo und Deutsch-Ole zusammenleben. Da dies hier eine weltweit zugängliche page ist, werde ich mich beim Schreiben wohl oder übel etwas zurückhalten müssen, denn wer weiß, wer weiß, wer sich da so mit verbesserten Irgendeine-Andere-Sprache-Kenntnissen drauf rumtreibt. Und wir wollen ja keinen dritten Weltkrieg auslösen (oder zumindest (k)einen Hauskrieg), nicht wahr?

Jedenfalls sind unsere beiden Grazien (bei allem Folgenden bleibt zu beachten, dass wir uns im Grunde ganz gut verstehen…) vor einigen Wochen auf die grandiose Idee verfallen, einen Putzplan zu erstellen. Nein, hier wittert Ihr zu Unrecht Sarkasmus, denn mal abgesehen von der Küche (die regelmäßig meinem eigenen Putzwahn zum Opfer fällt), hatten Matteo und ich bis dato nicht sehr viel getan, sprich Bad, Korridor und leaving room. Deshalb stimmten wir in der eigens einberufenen Bewohner-Versammlung der Idee freudig zu, und so legten wir fest, dass immer mittwochs einer Bad und einer Küche machen, somit jeder zweimal im Monat putzen muss. Das Bad umfasst den Korridor, die Küche beinhaltet das Wohnzimmer.
Soweit zur Theorie! Nun zur Praxis: Also der Mensch an sich hat ja schon so ganz unterschiedliche Vorstellungen von Reinlichkeit und cleaning. So beinhaltet das kitchen cleaning der weiblichen Bewohner dieses Hauses lediglich Wischen (wohlgemerkt ohne vorher zu fegen…), wohingegen meinereiner das doch schon etwas genauer nimmt. Reinigung des Herdes ist für die anderen drei Viertel dieses Hauses sowieso ein Fremdwort, so dass Ihr Euch vorstellen könnt, dass klein Ole (besonders morgens) öfter mal Ekelattacken gepaart mit mehr oder weniger starken Agressions-Schüben bekommt. Alles in allem klappt das aber seit vier Wochen ganz gut, und unterm Strich ist das Haus jetzt schon sauberer als vorher (wenn auch nicht, depending on the person cleaning, überall gleich…).

Nun haben sich aber bei der uns aufgezwungenen Versammlung noch ein paar andere Gedanken Freigang verschafft, die unbedingt näher ausgeführt werden müssen. Zum ersten ging es um den Stromverbrauch des Hauses. Uns (sprich den unkultivierten Männern) wurde von den beiden Grazien (Anmerkung des Autors: 21 Jahre alt und zum ersten Mal nicht bei Mutti lebend…) folgendes unterbreitet: Zum einen sollten wir doch bitte nicht so viel waschen, und wenn schon, dann immer den 20-Minuten-quick-wash benutzen. Zum anderen sollte doch bittschön überall im Haus bei Verlassen eines Raumes das Licht gelöscht werden, um Strom zu sparen. Und zu guter letzt: Heizen ist ja eigentlich überflüssig! Nun denn, Matteo und ich bemühten uns redlich, zu erläutern, dass wir erstens so viel waschen wie nötig, zweitens quick wash dreckige Hosen und American football Klamotten nicht sauber bekommt, und es drittens mehr Strom kostet, eine Lampe in einer Stunde dreimal an und auszuschalten, als sie einfach brennen zu lassen. Der Erfolg unserer Anstrengungen ist massiv zu bezweifeln. Begründet wurde all dies von den Grazien mit der, Zitat, "grünen Lebensweise". (Ich sag Euch, ich musste mich schon echt bemühen, vor Lachen nicht vom Stuhl zu fallen…) Obviously ist grüne Lebensweise hier ein Synonym für massiven Geiz. Nun gut, das Ganze setzt sich jetzt in der Form fort, dass jedesmal, wenn Matteo und ich unsere Zimmer verlassen (für Klo, Kaffee or whatever) eine der beiden Grazien lautlos hineinhuscht, und das Lichtlein ausknipst. Kürzlich habe ich mir das verbeten, und ihnen damit gleich mal den unbefugten Zutritt zu meinem Zimmer.
Das alles ist noch recht harmlos gegen das Heizungsproblem. Die beiden sind der beständigen Meinung, dass frieren super ist, um Geld zu sparen. Nun, Ihr kennt mich! Ich hab's gern wohlig warm, und lass mich nicht zum Frieren zwingen, werde außerdem in frierendem Zustand recht unleidlich, wenn Schuldige auszumachen sind. Zu meinem Leidwesen befindet sich ja der Boiler in Jeanne's room, und die beiden haben doch dann hin und wieder täglich einfach mal den Notfall-Schalter umgelegt, der wie der Name schon sagt für Notfälle (Gasaustritt) gedacht ist, und das gesamte Heiz- und Warmwassersystem ausschaltet. Das alles, da es ja so furchtbar warm ist, so unsäglich warm, dass die Grazien mit Socken, Schal, Pullover und Mütze schlafen, um nicht vor Hitze zu ersticken. Und als eine der beiden mir dann vorschlug, ich sollte es ihnen gleichtun, brannte bei mir ein Lichtlein durch (selbstverständlich nur zum Stromsparen…). Letztlich ging mir dann aber wieder eins auf, und zwar über den Grund der bisher acht oder neun occasions, an denen ich wegen Diskunktion (oh, hier mal eine Übertragung vom Englischen ins Deutsche! Wie Ihr sehr, bin ich flexibel…) den service rufen musste. Kein Wunder, wenn kleine Französinnen die ganze Zeit an Knöpfen rumspielen, dann streikt das System früher oder später… :-) Vor zwei Wochen habe ich dem Treiben ein Ende gesetzt, und habe männlich mit der Faust auf den Tisch gehauen. Seitdem: keine Probleme mehr.

Bei besagter Sitzung dachte ich allerdings: Nun denn, ich hab auch noch was zu sagen. Sehr bestimmt habe ich darum gebeten, dass ich nicht mehr jeden Morgen das ganze Wohnzimmer aufräumen muss, denn die Grazien sind sehr ordentlich. Sie halten ihre Zimmer geordnet, indem sie einfach ihr gesamtes Hab und Gut (inklusive Uni-Kram, Make Up, Klamotten, Schuhe und und und) im Wohnzimmer liegen lassen, so dass von den insgesamt acht Sitzgelegenheiten regelmäßig morgens nichts mehr auszumachen, geschweige denn zu benutzen war, mal ganz abgesehen davon, dass das Abräumen von benutzem Geschirr vom Tisch Seltenheitswert besitzt. Mit großen Augen vernahmen sie meine Beschwerde, und fügten sich widerwillig. Ergebnis: Jetzt muss ich morgens nur noch halb so viel wegräumen…

Nun zum Kern der Sache. Ich nutzte die Gelegenheit, und verschaffte meinem Ärger darüber Luft, dass in diesem Haus nur Französisch gesprochen wird. Die Bordeaux-Connection (die Grazien, die zu unser aller Leidwesen mit zwei anderen aus ihrer Heimat-Clique im Rudel hier angereist sind…) ist ständig hier versammelt, nicht selten schon morgens, wenn ich im Pyjama in die Küche zu gelangen versuche, und es interessiert keinen, wenn daneben stundelang Leute (meistens ich) sitzen, die kein Wort verstehen. Matteo hat wenigstens noch seine Italiener, mit denen er gegen das Französisch an-italienischen kann. Einzige Reaktion der Grazien: Ohhh, iiiiit iiiis sssso aaaaarttt forrrrrr assss tuuuu spiiikkkk Ingglisch!! Bon, also mussten andere Geschütze aufgefahren werden. Aber dazu mehr das nächste Mal.

A bientot,
Euer Frankophobi


November 17, 2005

How to get really scared!

My dears,

nachdem ich mir nun einige Tage Zeit genommen habe, das Erlebte zu verarbeiten, muss ich Euch unbedingt von meinem Wochenend-Alptraum berichten. Also, alle bequem hinsetzen und gut festhalten!

Das Ganze fing damit an, dass wir Freitag Abend beschlossen haben, mal wieder ins Colosseum zu gehen, um unsere english party habit weiter zu entwickeln und natürlich viel Spaß zu haben. Aber dazu gibts später noch einen extra Eintrag…
Da der Laden schon ein Stückchen entfernt ist, und der Ole an sich ja von Natur aus faul, beschlossen wir (naja eigentlich ich), das Auto in Anspruch zu nehmen. Diese doch recht alltägliche Entscheidung sollte sich später als kapitaler Fehler herausstellen. Ich parkte das Gefährt auf einem kleinen Parkplatz direkt hinter dem club, keine einziges anderes Automobil weit und breit… Als wir Stunden und einige Promille später wieder kamen… na, na? Falsch, Autochen war nicht verschwunden, auch nicht zugeparkt oder so. Klein Ole hatte es an diesem Abend sehr gut mit dem Wodka gemeint, war folglich nicht mehr verkehrstauglich, und überließ dem Adriano das Steuer (hört, hört!!). Das Ganze aber nur in der Theorie, denn Autochen wollte nicht so wie ich, und sprang nicht an. Gut, späte Stunde, alle betrunken und müde, haben also ein cab genommen und ich dachte: naja, kein Problem, wirds eben morgen abgeholt.
Am nächsten Morgen (drei Uhr nachmittags), nach einer fürchterlichen Nacht, wurde mir klar, was ich getan hatte, und ich beschloss mich schleunigst auf die Socken zu machen. Nach Bangen und Hoffen fand ich das Gefährt noch vor, nur leider sprang es immer noch nicht an. Zu meinem Entsetzen hatte sich allerdings der Parkplatz verändert: alle paar Sekunden kamen und fuhren Autos, überall waren Menschen aus orientalischen Ländern, die mit irgendwelchen Dingen seltsamen Handel trieben. Und bei Tageslicht betrachtet sah die ganze Gegend ums Colosseum nicht gerade vertrauenserweckend aus. Ich dachte: Shit! Aber hilft ja nüscht! Nach langen Überlegen, hab ich mich überwunden und einen der Handeltreibenden um Hilfe gebeten. Der sehr hilfsbereite gab Starthilfe, die Autochen allerdings nicht zum Fahren bewegte. Anspringen war nich! Jedoch kamen nun viele andere hilfsbereite Handeltreibende, standen ums Auto herum, kreisten es eher ein, und jeder überbot sich in Freundlichkeit. Einzig mögliche (und gesunde) Reaktion: increasingly Misstrauen! Es wurde langsam dunkel. Und ich dachte wieder: Shit!!!!!! Hilft aber immer noch nüscht. Ich also ADAC gerufen, sollte ne Stunde dauern, bis Service man kommt. Aufgrund immer weiter zunehmender hilfsbereiter Händler – es war völlig klar, dass Autochen dort nichtmehr allein gelassen werden kann – rief ich zwei Freunde an, bettelte sie eher an, umgehend zu kommen um mir beizustehen. Was sie auch taten. So warteten wir gemeinsam auf Service man, der nach anderthalb Stunden voll Angst und Zittern kam, und Auto mit fachkundigen Händen zum Anspringen überredete. Erster Satz nach seiner Ankunft: Ist ja mal echt nen beschissener Platz in Coventry für Autoprobleme: Drogenumschlagplatz und so…

Na Prost Mahlzeit! Nach vier Stunden wieder daheim, musste ich mich erstmal hinsetzen, Kaffee und Wodka trinken, und warten bis ich aufgehört hatte zu zittern, und dann gings los in den Abend…

Was lernt uns das? Wenn man mit Auto fährt, kann man was erleben!
Hugs and kisses,
Euer Ole


September 2019

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